Der Wechsel in die Vorhand-Ecke ist ein entscheidendes taktisches Mittel. Martin Adomeit zeigt, wann der richtige Moment gekommen ist - und wie gezielte Platzierung, Timing und Übungen helfen, den Gegner zu überraschen und Druck aufzubauen.
Oft hält man den Gegner bewusst auf der Rückhandseite, um den höheren Druck aus der Vorhand-Ecke zu vermeiden. Doch ausschließlich über die Rückhand zu spielen, macht berechenbar: Der Gegner stellt sich darauf ein oder geht selbst um und übernimmt mit der Vorhand die Initiative. Deshalb braucht es gegen beide Spielertypen – ob VH- oder RH-dominant – den gezielten Wechsel in die VH-Ecke. Entscheidend ist dabei vor allem das richtige Timing und der Umgang mit den folgenden Antworten.
Wer den Wechsel und die Platzierung in die tiefe VH-Ecke erfolgreich einsetzen bzw. durchführen will, muss den Gegner genau beobachten: Befindet sich der Schläger noch in Rückhand-Position oder steht er kurz davor, herumzugehen? Gleichzeitig ist Präzision gefragt. Kommt der Ball nicht tief genug in die VH-Ecke, sondern zu mittig, erleichtert man dem Gegner einen druckvollen Vorhandangriff.
Der Wechsel sollte in verschiedenen Spielsituationen trainiert werden: beim Rückschlag (RH und VH), beim Aufschlag sowie im weiteren Ballwechsel – sowohl in passiven Phasen wie dem Blockspiel als auch in aktiven Situationen wie dem eigenen Topspin. Für genau diese Szenarien stellt Martin Adomeit in seinem Trainingstipp passende Übungen vor.
1. Übung: aus dem schnellen RH-RH-Spiel (2-7x) den Wechsel zur VH suchen

In der Grundform wird die Übung als Rückhand-Konterduell gespielt. Je nach Spielsystem lässt sie sich jedoch variieren – etwa mit Schupf gegen Schupf, Topspin gegen Block oder auch Topspin gegen Abwehr.
Auch als Wettkampfform eignet sich die Übung: Beide Spieler versuchen, in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Ballwechsel für sich zu entscheiden. Um den Fokus auf den Wechsel in die Vorhand zu verstärken, können Punkte, die direkt über die VH erzielt werden, doppelt gewertet werden.
Eine weitere Variante: Spieler B geht situativ um und versucht, mit der Vorhand zu punkten. Erkennt Spieler A diesen Moment, reagiert er gezielt und spielt den Ball statt in die Rückhand direkt in die Vorhand-Ecke.
2. Übung: Rückschläge zwischendurch in die VH Ecke
| Spieler B | Spieler A |
|---|
| KA überall | LR in RH/LR in VH-Ecke |
| frei | |

Spieler A soll etwa 70 bis 80 Prozent seiner Rückschläge über die Rückhand platzieren, streut aber immer wieder gezielt Bälle in die Vorhand-Ecke ein. Der Gegner agiert frei. Entscheidend ist die Beobachtung: Rechnet der Gegner mit einem Rückschlag in die RH, wird er mit einem überraschenden Ball in die tiefe VH-Ecke erwischt. Die Rückschlagvarianten können dabei eingeschränkt oder bewusst geöffnet werden – etwa mit Flip, Schupf oder Seitenschnitt.
Auch diese Übung lässt sich als Wettkampfform gestalten: Jeder Punkt zählt, Ballwechsel, die über einen Rückschlag in die VH-Ecke entschieden werden, werden jedoch dreifach gewertet. So entsteht ein klarer Anreiz, den VH-Rückschlag gezielt und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen – andernfalls droht der dreifache Punktgewinn für den Gegner.
3. Übung: Aufschlag überraschend in VH
| Spieler A | Spieler B |
|---|
| frei | frei |

Im Grunde handelt es sich um freies Spiel. Allerdings werden Ballwechsel, die mit einem Aufschlag in die VH-Ecke eröffnet werden, dreifach gewertet. Gelingt sogar ein Ass in die Vorhand – der Gegner berührt den Ball also nicht –, gewinnt der Aufschläger direkt den gesamten Satz. Zur Variation kann der Aufschlag eingeschränkt werden, etwa indem nur lange Aufschläge erlaubt sind.
4. Übung: Passivspiel überraschend in VH
| Spieler B | Spieler A |
|---|
| KA überall | LR in RH (LR in VH - frei) |
| T in RH | 0-3x B in RH |
| T in RH | B in VH |
| frei | |

Spieler A hält Spieler B zunächst konsequent auf der Rückhandseite und wartet auf den richtigen Moment, um den Ball erfolgreich in die VH-Ecke zu platzieren. Spieler B darf dabei jederzeit herumgehen und selbst mit der Vorhand angreifen. Die Übung lässt sich variieren, indem Spieler A die ersten Bälle gezielt in die Rückhand oder Mitte spielt. Alternativ kann Spieler B seinen Topspin nur in die RH, in die Mitte oder frei im Tisch platzieren.
5. Übung: Topspin überraschend in VH
| Spieler A | Spieler B |
|---|
| KA (LA in VH - frei) | LR in TMi |
| 0-3x T in RH | B in TMi |
| T in VH | frei |

Hier liegt der Fokus darauf, den eigenen Topspin gezielt und erfolgreich in die VH-Ecke zu spielen. Gewertet werden vor allem die Punkte, die direkt mit diesem Angriff erzielt werden. Statt des vorgegebenen Rückschlags in die Mitte kann die Übung flexibel angepasst werden – entweder durch andere Platzierungen oder indem Spieler B frei im Tisch agiert.
Der Autor
Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 61-jährige Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch, gibt Einzeltraining und betreibt einen der wenigen unabhängigen TT-Shop. Hier führt er Beratungen und Verkauf nahezu aller gängigen Tischtennismarken durch. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Zu erreichen ist Martin per Telefon unter 02941-273385, per Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de oder unter WhatsApp (01608120572).