Der erste Topspin ist eine äußerst wichtige Variable auf dem Weg zum Punkt. Ex-Damen-Bundestrainer Martin Adomeit zeigt in seinem Taktiktipp, wie man diesen erfolgreich variieren kann.
Rund 75% aller Ballwechsel sind unabhängig von der Spielklasse nach vier Kontakten entschieden - das heißt, nach zwei Kontakten von jedem Spieler. Damit ist der erste Topspin ein ungeheuer wichtiger Schlag. Darum soll es in dem heutigen Taktiktipp von Martin Adomeit gehen. Dabei ist es wichtig, den Topspin nicht immer gleich zu spielen. Denn dann kann der Gegner sich darauf einstellen und wird ihn gut beantworten können. Da reicht es dann auch nicht, den Topspin möglichst schnell oder mit möglichst viel Spin zu spielen, sondern es dem Gegner dadurch schwierig zu machen, das er wirklich nicht weiß, was kommt. Die Variationsmöglichkeiten gibt es dabei in verschiedenen Bereichen. Der Topspin kann mit unterschiedlichen Platzierungen, mit unterschiedlichem Tempo, mit unterschiedlicher Rotation oder unterschiedlichen Flugkurven gespielt werden. Natürlich lassen sich diese Faktoren auch miteinander kombinieren, so dass es genug Variationen gibt, den Eröffnungstopspin während eines gesamten Spiels jedes Mal anders zu spielen.
Für jede der vier oben genannten prinzipiellen Variationsmöglichkeiten wird Martin Adomeit im Folgenden eine Übung vorstellen. Das Ziel während des Trainings sollte sein, nie zwei gleiche Topspins hintereinander zu spielen, um so das Variieren zu automatisieren und bei euren Gegnern das zu erzeugen, was Altmeister Jean-Michel Saive einmal über Timo Boll gesagt hat: „Jedes Mal, wenn du glaubst, du weißt, wie der nächste Topspin kommt, kommt der Ball garantiert anders.“
1. Übung: Variationen im ersten Vorhandtopspin in Bezug auf Platzierung
| Spieler A | Spieler B |
|---|
| KA überall | LR in RH |
| VHT überall | frei |

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, den Topspin in VH, RH oder auf den Ellbogen zu spielen. Bei dieser Übung soll der 1. VHT immer auf einen anderen Punkt als der 1. VHT im Ballwechsel vorher gespielt werden. Es geht darum, zu automatisieren, ständig andere Platzierungen zu spielen. Aus dieser Übung kann man natürlich auch gut Wettkämpfe ableiten.
2. Übung: Variationen im VHT in der Flughöhe
| Spieler A | Spieler B |
|---|
| KA überall | LR in ½ VH |
| VHT in unterschiedliche Höhe überall | frei |

Hier soll Spieler A seinen ersten Topspin in der Flughöhe variieren. Die Topspins kann man mit flacher Flugkurve nach vorne spielen, den Ball trifft man dabei etwas weiter von oben, oder mit höherer Flugkurve mehr von unten nach oben. Diesen Ball trifft man eher hinten am Ball. Die unterschiedlichen Flugkurven zwingen den Gegner immer wieder zu anderen Schlägerwinkeln und unterschiedlich hohen Schlagsätzen. Dies kann man von der Übung so anlegen, dass immer ein Parameter zwischen zwei Topspins geändert werden muss (also Platzierung oder Flughöhe), aber innerhalb von drei Topspins auch mindestens einmal die Flughöhe.
3. Übung: Variationen im Bereich des Tempos
| Spieler A | Spieler B |
|---|
| KA frei | LR in VH |
| VHT schnell in VH/Mitte/langsam in Mitte/RH | frei |

Jetzt soll der Spieler seinen Topspin in Bezug auf das Tempo variieren. Wenn er schnell eröffnet, soll die Platzierung in VH oder Mitte erfolgen, langsam eher in RH oder Mitte. Natürlich lassen sich auch andere Schlagkombinationen dafür finden, wie beispielsweise schnell in Mitte und langsam in die Ecken. Man kann auch in dieselbe Seite eröffnen, mal langsam und mal schnell, um den Effekt des erfolgreichen Topspins wirklich nur über das Tempo zu haben. Im Idealfall lässt man den Gegner möglichst lange im Unklaren, in welchem Tempo der Ball gespielt wird, also die Bewegung sollte annähernd gleich sein.
4. Übung: Variationen im Bereich von Rotation
| Spieler B | Spieler A |
|---|
| KA überall | KR |
| Sch in ½ VH | VHT extrem viel/extrem wenig Rotation überall |
| frei | |

Diese Übung ist in seiner Grundform erst einmal über Vorwärtsrotation beschrieben. Aber hier lässt sich natürlich auch Seitschnitt in beide Richtungen einbauen. Mal kommt der VHT mit Seitschnitt nach rechts (der Ball wird etwas rechts getroffen), mal mit Seitschnitt nach links, mal ohne Seitschnitt. Dies kombiniert mit verschiedenen Platzierungen. Bei der Rückmeldung - Vorwärtsrotation viel oder wenig - soll erreicht werden, dass der Gegner mal über den Tisch blockt, mal ins Netz.
Der Autor
Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 61-jährige Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch, gibt Einzeltraining und betreibt einen der wenigen unabhängigen TT-Shop. Hier führt er Beratungen und Verkauf nahezu aller gängigen Tischtennismarken durch. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Zu erreichen ist Martin per Telefon unter 02941-273385, per Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de oder unter WhatsApp (01608120572).