Taktiktipp: Halblange Rückschläge und dann aktiv werden

    Der halblange Rückschlag als taktische Waffe: Wie du Gegner in Entscheidungssituationen zwingst, schwache Eröffnungen provozierst und mit gezielten Übungen selbst die Initiative übernimmst.

    Lin Shidong bei der Eröffnung in Doha. (© WTT)

    Der halblange Rückschlag (HLR) ist eines der wirkungsvollsten Mittel im modernen Rückschlagspiel. Ziel ist es, den Gegner in eine Entscheidungssituation zu zwingen: Kann er eröffnen – oder nicht?

    Bei den meisten Spielerinnen und Spielern ist die Eröffnung auf halblange Bälle zudem deutlich schwächer. Ist eine saubere Eröffnung nicht möglich, bleibt meist auch kein kurzer Ball möglich – sodass man selbst weiß, dass man den nächsten Ball aktiv eröffnen kann. Gleichzeitig zieht der halblange Rückschlag den Gegner näher an den Tisch und eröffnet die Chance, mit einem gut platzierten langen Ball direkt zu punkten.

    Um diese Wirkung zuverlässig zu erzielen, müssen diese Situationen gezielt trainiert werden: Einerseits, um den Ball technisch sauber halblang zu spielen, andererseits, um auf die unterschiedlichen Antworten des Gegners sofort richtig reagieren zu können. Entscheidend ist dabei die Präzision – halblange Rückschläge müssen so genau platziert sein, dass sie möglichst häufig keine saubere Eröffnung zulassen.

    1. Übung: HLR in VH

    Spieler BSpieler A
    KA überallHLR in VH (SSCH überall - frei)
    T/SCH in 1/2 VHT in eine Ecke
    frei
    Der halblange Rückschlag wird entweder in die Vorhandhälfte eröffnet oder geschupft. Dieser Ball sollte anschließend mit einem möglichst aggressiven Topspin beantwortet werden. Gelingt dieser Spielzug, ist Spieler B gezwungen, bei seinen Rückschlägen mehr Risiko einzugehen – was zu einer höheren Anzahl direkter Fehler führt.

    2. Übung HLR in RH

    Spieler BSpieler A
    KA überallHLSCH in RH (SSCH in weite VH - frei)
    VHT in RH/TMi // SSCH in RH/TMiT/harter B in eine Ecke
    frei
    Gespielt wird wie in Übung 1, aber hier geht es um den HLR in RH.

    3. Übung: HLR auf KR auf den Wechselpunkt

    Spieler ASpieler B
    KA überallKR überall
    HLSCH auf den WPT/SCH in RH
    bei T: B schnell in Ecke (aus T Spieler B)frei
    bei SCH: T auf den WPfrei
    Jetzt wird es komplex, aber so sind Spiele auch. Spielt der Gegner auf den halblangen Ball einen T, erfolgt der B in Ecke, aus der der Spieler B den Topspin gespielt hat. Spielt der Gegner einen SCH, dann erfolgt ein T auf den WP. 

    4. Übung: HLR überall

    Spieler BSpieler A
    KA überallHLR überall (LR auf WP - frei)
    SCH/TT/B in Ecke, die zum Schlagseitenwechsel zwingt
    frei
    Nun geht es darum, den Gegner überall halblang anzuspielen. Danach soll er zum  Schlagseitenwechsel gezwungen werden. Also, wenn Spieler B mit der VH gespielt hat, erfolgt der nächste Ball in die RH-Ecke, spielt er mit der RH dann in die VH-Ecke.
    Die Übungen der neuen Reihe wurden von den DTTI-Bewohnern Jia Yuan Zhang und Ivo Quett eingespielt. (© myTT)

    Der Autor
    Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen und Titel bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 61-jährige Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch, gibt Einzeltraining und betreibt einen der wenigen unabhängigen TT-Shop. Hier führt er Beratungen und Verkauf nahezu aller gängigen Tischtennismarken durch. Zudem führte er zuletzt zahlreiche Maßnahmen für den DOSB in Afrika und Asien durch und arbeitet als Berater und Werbeträger von Victas. Zu erreichen ist Martin per Telefon unter 02941-273385, per Mail unter ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de oder unter WhatsApp (01608120572).