Jugendtipp: Mit dem Körper in den Ball arbeiten

    A-Lizenztrainer Felix Füzi beschäftigt sich in seinem aktuellen Jugendtipp mit dem Balltreffpunkt und erklärt, warum der Rat, möglichst nah am Tisch zu stehen, oft zu Problemen führt.

    Mädchen, Tischtennistraining, Trainingshilfe für Balltreffpunkt
    Mithilfe einer Bande kann man die Spieler dazu bringen, sich nicht zu nah zum Tisch zu bewegen (©Füzi)

    "Bleib vorne!", "Geh nicht so weit weg vom Tisch!" - solche Anweisungen hört man im Nachwuchstraining und bei Wettkämpfen häufig. Dahinter steckt die Vorstellung, dass eine möglichst tischnahe Position grundsätzlich vorteilhaft sei. Doch entscheidend ist nicht die Entfernung zum Tisch, sondern die Position zum ankommenden Ball.

    Der Ball bestimmt die Position

    Ein günstiger Balltreffpunkt ist Voraussetzung für eine wirkungsvolle Schlagtechnik. Wird der Ball vor dem Körper getroffen, können Beine, Rumpf und Schlagarm zusammenarbeiten und den Ball aktiv beschleunigen. Liegt der Treffpunkt dagegen seitlich oder sogar hinter dem Körper, ist der Körpereinsatz stark eingeschränkt. Der Schlag erfolgt dann häufig überwiegend aus dem Arm.

    Gerade schnelle Bälle können Spieler überholen, wenn sie zu nah am Tisch stehen. Die Lösung besteht aber nicht darin, grundsätzlich weiter hinten zu spielen. Vielmehr müssen sie lernen, ihre Position an den ankommenden Ball anzupassen - auch durch Bewegungen nach vorne und hinten. Ebenso wichtig ist das Timing: Selbst bei guter Positionierung muss die Schlagbewegung rechtzeitig beginnen, damit der Ball in einer günstigen Bewegungsphase getroffen wird.

    Trainingshilfen richtig einsetzen

    Um einen günstigen Balltreffpunkt zu schulen, platzieren wir in unserer ersten Übung eine Bande vor der Spielerin. Sie muss den Ball vor der Bande treffen und wird so dazu angehalten, vor dem Körper zu spielen. Anschließend kombinieren wir die Aufgabe mit seitlicher Beinarbeit.

    Die Platzierung solcher Begrenzungen sollte allerdings gut überlegt sein. Manchmal werden Banden hinter Spielern aufgestellt, um zu verhindern, dass sie sich zu weit vom Tisch entfernen. Häufig weichen diese Spieler jedoch gerade deshalb nach hinten aus, weil sie den Ball zu spät beziehungsweise hinter dem Körper treffen. Sie versuchen also, sich mehr Raum und Zeit zu verschaffen. Eine Bande hinter ihnen verhindert diese Anpassung, ohne das eigentliche Problem zu lösen. Statt das Symptom zu bekämpfen, sollten wir deshalb am Balltreffpunkt arbeiten.

    Den Balltreffpunkt immer wieder neu finden

    In den folgenden Übungen trainieren wir die Anpassung an unterschiedliche Bälle. Auf einen langsamen Rollaufschlag folgt ein schnellerer, längerer Ball. Die Spielerin muss sich rechtzeitig nach hinten bewegen, um auch diesen Ball vor dem Körper treffen zu können. Bei der abschließenden Viereckübung verbinden wir seitliche Beinarbeit mit Bewegungen nach vorne und hinten. Die Spielerin muss dabei für jeden Ball erneut die passende Position finden.

    Fazit: Ein guter Balltreffpunkt ist das Ergebnis aus Wahrnehmung, Positionierung, Beinarbeit und Timing. Statt Spieler ständig aufzufordern, vorne zu bleiben, sollten Trainer darauf achten, ob sie aus ihrer Position überhaupt wirkungsvoll in den Ball hineinarbeiten können. Denn nicht der Abstand zum Tisch ist entscheidend, sondern der Abstand zum Ball.

    Der Autor:
    Felix Füzi ist Tischtennistrainer mit langjähriger Erfahrung im Nachwuchsleistungs- und Vereinssport. Als A-Lizenz-Trainer war er mehrere Jahre als Verbandstrainer für den Tischtennisverband Rheinland/Rheinhessen tätig. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Vereinen sowie im Stützpunkttraining und sammelte darüber hinaus internationale Erfahrungen als Trainer in Schweden.

    Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung moderner, praxisnaher Trainingsmethoden für Spielerinnen und Spieler aller Alters- und Leistungsklassen.  Er verbindet technische und taktische Inhalte mit motivierenden Übungs- und Spielformen, die sich direkt im Vereinsalltag umsetzen lassen. Mit seinen Trainingstipps möchte er Trainerinnen und Trainern konkrete Impulse für ein abwechslungsreiches und effektives Training geben.