Basictipp: Trainingswettkämpfe gezielt nutzen
Trainingswettkämpfe sind im Erwachsenentraining häufig verpönt. A-Lizenz-Trainer Felix Füzi erklärt, wie man sie gerade bei begrenzter Trainingszeit sinnvoll für sich nutzen kann.

Viele Trainer betonen immer wieder, wie wichtig es ist, möglichst wettkampfnah zu trainieren. Übungen sollen spielnah sein, Entscheidungen ermöglichen und die Anforderungen eines echten Punktspiels abbilden. Gleichzeitig werden Trainingswettkämpfe im Erwachsenentraining häufig kritisch gesehen oder sogar verteufelt. Das passt für mich nicht zusammen. Denn was könnte wettkampfnäher sein als ein tatsächlicher Wettkampf?
Klaren Auftrag finden
Gerade für Erwachsene mit begrenzter Trainingszeit sind Trainingswettkämpfe ein sehr effektives Mittel. Wer unter der Woche nur ein- oder zweimal trainieren kann, möchte am Wochenende trotzdem seine bestmögliche Leistung abrufen. Dafür reicht es nicht, einzelne Schläge zu beherrschen. Aufschlag und Rückschlag müssen verbunden, freie Entscheidungen getroffen und Lösungen gegen unterschiedliche Spielsysteme gefunden werden. Genau das lässt sich im Trainingswettkampf besonders gut üben. Problematisch ist also nicht das Wettkampfspielen an sich. Problematisch wird es erst, wenn man einfach Satz für Satz spielt und hinterher nur weiß, ob man gewonnen oder verloren hat. Dann fehlt ein klarer Auftrag.
Eine Möglichkeit besteht darin, sich vor dem Spiel ein konkretes Handlungsziel zu setzen. Also nicht nur: „Ich möchte gewinnen“, sondern: Wie möchte ich spielen? Ein Ziel könnte sein, jeden langen Rückschlag aktiv zu eröffnen, nach dem ersten Angriff konsequent nachzusetzen oder mit bestimmten Aufschlägen gezielt einen gewünschten Rückschlag vorzubereiten. Meistens reicht ein klares Handlungsziel pro Spiel völlig aus. Auch die Wahl des Trainingspartners kann bewusst erfolgen. Gegen einen stärkeren Spieler geht es vielleicht darum, unter Druck stabile Lösungen zu finden. Gegen einen schwächeren Spieler kann die Aufgabe sein, selbst das Spiel zu gestalten und konzentriert zu bleiben. Gegen einen ungewohnten Spielertyp (Abwehr, Linkshänder, Störspieler) muss man seine Lösungen anpassen. Jeder Trainingspartner stellt also eine andere Aufgabe.
Zweiter Versuch nach Fehlaufschlag
Zusätzlich können Sonderregeln den Fokus auf ein bestimmtes Trainingsziel lenken. Besonders gut gefällt mir der „Second Serve“, übernommen aus dem Tennis. Nach einem Fehlaufschlag darf noch einmal aufgeschlagen werden. Dadurch traut man sich eher, neue Aufschläge auszuprobieren, mehr Schnitt zu erzeugen oder bewusst mehr Risiko einzugehen. Das gleiche Prinzip lässt sich als „Second Return“ auf den Rückschlag übertragen. Ein mutiger Rückschlag darf nach einem Fehler noch einmal versucht werden. So kann besonders das Aufschlag-Rückschlag-Spiel trainiert werden, ohne dass jeder misslungene Versuch sofort den Ballwechsel beendet.
Nach dem Spiel sollte eine kurze Reflexion folgen. Dafür reichen oft wenige Fragen: Was wollte ich umsetzen? Wann ist es mir gelungen? Wann habe ich meinen Plan verlassen? Und was möchte ich im nächsten Spiel verändern? So wird aus einem einfachen Match im Training eine kleine Lernschleife: planen, spielen, beobachten und anpassen.
Wettkämpfe bewusst gestalten
Wir müssen im Erwachsenentraining also nicht weniger Wettkämpfe spielen. Gerade bei wenig Trainingszeit können sie eine besonders effiziente Trainingsform sein. Entscheidend ist, dass sie bewusst gestaltet werden – mit einem Handlungsziel, einem passend gewählten Trainingspartner, sinnvollen Sonderregeln und einer kurzen Reflexion.
Ich hoffe, dass euch dieser Trainingstipp einige Anregungen gibt, wie ihr Trainingswettkämpfe gezielter nutzen könnt. Macht aus dem einfachen Satzspiel einen Wettkampf mit Auftrag.
Der Autor:
Felix Füzi ist Tischtennistrainer mit langjähriger Erfahrung im Nachwuchsleistungs- und Vereinssport. Als A-Lizenz-Trainer war er mehrere Jahre als Verbandstrainer für den Tischtennisverband Rheinland/Rheinhessen tätig. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Vereinen sowie im Stützpunkttraining und sammelte darüber hinaus internationale Erfahrungen als Trainer in Schweden.
Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung moderner, praxisnaher Trainingsmethoden für Spielerinnen und Spieler aller Alters- und Leistungsklassen. Er verbindet technische und taktische Inhalte mit motivierenden Übungs- und Spielformen, die sich direkt im Vereinsalltag umsetzen lassen. Mit seinen Trainingstipps möchte er Trainerinnen und Trainern konkrete Impulse für ein abwechslungsreiches und effektives Training geben.


