Basictipp: Aufschläge mit Plan - Mehr als nur viel Schnitt
Das Thema Aufschlag ist im Tischtennis sehr wichtig. Man sollte den Service jedoch nicht nur einzeln betrachten, führt A-Lizenz-Trainer Felix Füzi aus, sondern auch in Kombination - und abhängig vom eigenen Spielsystem.

Beim Aufschlag denken viele Spieler zunächst an die Qualität des einzelnen Balles. Wie viel Rotation hat er? Ist er kurz genug? Ist er schnell genug? Kann der Gegner ihn überhaupt erkennen? Das sind wichtige Fragen. Taktisch interessant wird der Aufschlag aber oft erst dann, wenn man ihn nicht isoliert betrachtet.
Im Tischtennis lassen sich zunächst vier häufig genutzte taktische Mittel unterscheiden: Platzierung, Tempo, Rotation sowie Flughöhe beziehungsweise Flugkurve, kurz PTRF. Diese vier Mittel beeinflussen die Wirkung eines Schlages und stehen dabei stets miteinander in Zusammenhang. Daneben gibt es aus meiner Sicht noch zwei weitere taktische Mittel, die eine ebenso wichtige Rolle spielen: Finte und Kombination. Gerade die Finte ist im Aufschlagspiel von großer Bedeutung, soll an dieser Stelle aber nicht näher behandelt werden. In diesem Beitrag möchte ich mich stattdessen auf die Kombination konzentrieren. Beim Aufschlag können wir dabei zwei unterschiedliche Formen unterscheiden.
Der nächste Aufschlag beginnt beim vorherigen
Zum einen stehen verschiedene Aufschläge innerhalb eines Satzes oder Spiels miteinander in Verbindung. Ein Aufschlag ist also nicht nur für sich genommen gut oder schlecht. Seine Wirkung hängt auch davon ab, was der Gegner zuvor gesehen und erlebt hat. Wer beispielsweise mehrfach kurz und eher langsam aufgeschlagen hat, kann damit eine bestimmte Erwartung erzeugen. Ein schneller, langer Aufschlag kann anschließend deutlich gefährlicher werden, gerade weil der Gegner zuvor auf eine andere Länge oder ein anderes Tempo eingestellt war.
Genauso können unterschiedliche Platzierungen aufeinander aufbauen. Ein kurzer Aufschlag in die Vorhand kann den Gegner dazu bringen, seine Position oder Aufmerksamkeit entsprechend anzupassen. Der nächste Aufschlag lang in die Rückhand bekommt dadurch möglicherweise eine ganz andere Wirkung, als wenn er ohne diese Vorbereitung gespielt worden wäre. Das bedeutet auch: Ein Aufschlag muss nicht immer maximal gefährlich sein, um taktisch wertvoll zu sein. Manche Aufschläge entfalten ihre eigentliche Qualität erst durch das Zusammenspiel mit anderen Aufschlägen.
Was möchte ich nach meinem Aufschlag spielen?
Die zweite Form der Kombination betrifft die Verbindung zwischen dem Aufschlag und dem darauffolgenden Schlag. Hier kommt das eigene Spielsystem ins Spiel. Welche Bälle spiele ich besonders gut? Möchte ich möglichst schnell mit der Vorhand eröffnen? Bin ich stark im Rückhandspiel? Fühle ich mich gegen lange Rückschläge wohl oder möchte ich eher einen kurzen Rückschlag provozieren? Genau davon sollte auch die Wahl des Aufschlags abhängen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie gefährlich ist mein Aufschlag?“ Mindestens genauso wichtig ist die Frage: „Welche Antwort bekomme ich wahrscheinlich und passt diese Antwort zu meinem Spiel?“ Ein Aufschlag mit sehr viel Rotation kann hervorragend sein. Wenn die daraus entstehenden Rückschläge aber regelmäßig zu Situationen führen, in denen der Gegner seine Stärken einsetzen kann oder ich selbst Schwierigkeiten bekomme, ist er für mein Spiel möglicherweise weniger wertvoll als ein vermeintlich unspektakulärer Aufschlag. Umgekehrt kann ein relativ einfacher Aufschlag taktisch ausgezeichnet sein, wenn ich dadurch häufig genau den Ball bekomme, den ich anschließend mit einer meiner Stärken übernehmen kann.
Aufschläge als System betrachten
Deshalb lohnt es sich, das Aufschlagspiel nicht als Sammlung einzelner besonders guter Aufschläge zu verstehen. Sinnvoller ist es, ein System von Aufschlägen zu entwickeln.
Dabei sollte man sich fragen, welche Aufschläge sinnvoll zueinander passen, welche Erwartungen man beim Gegner erzeugt und welche Unterschiede in Platzierung, Tempo und Rotation man nutzen kann. Ebenso wichtig ist die Beobachtung, welche Rückschläge man auf die verschiedenen Aufschläge erhält und welche dieser Rückschläge besonders gut zum eigenen Spiel passen. Gerade diese Zusammenhänge machen aus einem technisch guten Aufschlag ein taktisches Werkzeug.
Kombinationen im Training ausprobieren
Besonders gut lassen sich solche Zusammenhänge in Trainingswettkämpfen untersuchen. Dort kann man bewusst verschiedene Abfolgen ausprobieren und beobachten, wie der Gegner reagiert. Was passiert beispielsweise, wenn ich zunächst zweimal kurz aufschlage und anschließend lang? Welche Rückschläge bekomme ich auf einen bestimmten Seitunterschnittaufschlag? Kann ich danach regelmäßig meine starke Rückhand einsetzen? Oder setzt ein bestimmter Aufschlag den Gegner zwar unter Druck, bringt mich selbst aber für den nächsten Ball in eine ungünstige Situation?
Solche Erfahrungen sollten gesammelt und anschließend bewusst in den Wettkampf übertragen werden. Denn letztlich geht es beim Aufschlag nicht darum, immer den spektakulärsten oder rotationsreichsten Ball zu spielen. Der beste Aufschlag ist derjenige, der in diesem Moment zum Gegner, zur Situation und vor allem zum eigenen Spielsystem passt.
Der Autor:
Felix Füzi ist Tischtennistrainer mit langjähriger Erfahrung im Nachwuchsleistungs- und Vereinssport. Als A-Lizenz-Trainer war er mehrere Jahre als Verbandstrainer für den Tischtennisverband Rheinland/Rheinhessen tätig. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Vereinen sowie im Stützpunkttraining und sammelte darüber hinaus internationale Erfahrungen als Trainer in Schweden.
Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung moderner, praxisnaher Trainingsmethoden für Spielerinnen und Spieler aller Alters- und Leistungsklassen. Er verbindet technische und taktische Inhalte mit motivierenden Übungs- und Spielformen, die sich direkt im Vereinsalltag umsetzen lassen. Mit seinen Trainingstipps möchte er Trainerinnen und Trainern konkrete Impulse für ein abwechslungsreiches und effektives Training geben.


