„Nachmachen erwünscht“: Mainzer Füchse setzen Kantenball-Aktion fort

Für jeden Kantenball einen kleinen Geldbetrag spenden – der TTC Mainzer Füchse setzt seine Spenden-Aktion aus der vergangenen Saison fort. Warum die „Füchse“ weiterhin Kante zeigen und wie sie andere Vereine inspirieren wollen.

Wer auch immer wissen wollte, wie viele Kantentreffer er über die ganze Saison hinnehmen musste, der kann es den Füchsen aus Mainz nachmachen. In der vergangenen Saison zählte der Verein alle Bälle, die auf die Tischkante flogen – egal, ob der „Lucky Point“ für den Gegner galt oder nicht. Und für jeden einzelnen dieser Kantentreffer bezahlte der TTC Mainzer Füchse 50 Cent, die in eine Spendenbox wanderten. (Zum Bericht auf myTischtennis.de von vor einem Jahr.)
Die Idee, die vor über einem Jahr im Vorstand um Marc Distel geboren wurde, „hat der ganzen Sache um die Kantenbälle eine Lockerheit gegeben, die es davor nie gab“, wie Distel sagt. Die Stimmung bei den Füchsen und ihren Gegnern sei sofort viel gelöster gewesen. Insgesamt 821 Treffer über drei Mannschaften hinweg erfassten die Füchse für die vergangene Saison. Mit weiteren Beiträgen von anderen Mannschaften und Unterstützern ergab sich am Ende eine Summe von 860 Euro. Getreu dem Motto „Kante gegen Rechts“ spendeten die Füchse den Betrag an die Amadeu-Antonio-Stiftung, um ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen.
Werte sind dem TTC wichtig: Der Verein in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz gab sich selbst eine Charta, lebt ein harmonisches Miteinander vor. Die Füchse wollen den Amateur-Tischtennissport jung und modern denken – den „Tischtennissport mit Spaß und Leidenschaft wieder sexy“ machen, Heimspiele werden im „Fuchsbau“ ausgetragen, die Spielerinnen und Spieler in den beiden Mannschaften zählen zum „Rudel“.
Nachmachen erwünscht
Auch die Kantentreffer-Aktion ist in diesem Zuge entstanden und sei sehr gut angekommen. „Es gab über die ganze vergangene Saison hinweg keine einzige negative Stimme“, sagt Distel. „Und es war früh klar, dass wir das dauerhaft machen wollen.“ In dieser Saison fließen die Spenden an eine Stiftung aus Mainz: „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“, ein Gedenkort für die NS-Zeit, der unter anderem Aufklärungsarbeit leistet (Link zur Website der Stiftung).
Mittlerweile spielen für die Füchse nur zwei Teams, sie selbst und ihre Aktion sind in ihrer jeweiligen Liga inzwischen bekannt. „Unsere Aktion ist auch so gedacht, dass andere sie nachmachen können“, sagt Distel. „Wir freuen uns sehr, wenn wir auch über Ligen- oder Verbandsgrenzen hinweg andere Vereine für diese Idee begeistern können.“ Wohin das gesammelte Geld gespendet würde, könne auch jeder Verein für sich entscheiden.
Distel ist sich bewusst, dass nicht jeder Tischtennisverein und nicht jede Abteilung die Möglichkeiten wie die Füchse hat, mit flachen Hierarchien und einem kleinen, eingeschworenen Vorstandsteam, das eine solche Aktion schnell auf die Beine stellen kann. Wer sich Anregungen abholen oder sogar auf die von den Füchsen erstellten Vorlagen zurückgreifen will, die lädt Distel ein, sich bei dem Verein auf der Homepage (Link zur Website des Vereins) Inspiration zu holen oder Kontakt aufzunehmen.
„Man darf nicht denken, dass kleinere Beiträge sowieso keinen Unterschied machen“, sagt Distel. „Auch kleine Dinge können viel verändern.“ Etwa das, was sich die Teams der Füchse vorgenommen haben: Bei Auswärtsspielen bauen sie nach dem Match mit dem Gegner gemeinsam ab. Absolut unüblich – „und man glaubt nicht, wie sehr diese Kleinigkeit etwas verändert“, so Distel. Man komme sich dadurch viel näher, der Gemeinschaftsgedanke stünde plötzlich mehr im Vordergrund. „Am Ende geht es allen doch darum, Spaß zu haben und sich wohlzufühlen.“
Hinweis des myTischtennis.de-Teams, 24.09.2026: Wir haben die Kommentarfunktion für diesen Artikel wegen beleidigender Äußerungen deaktiviert. Danke für euer Verständnis.


