Buntes

SPORT1: Deshalb läuft so wenig Tischtennis im Fernsehen

Der stellvertretende Chefredakteur und Leiter Sports beim TV-Sender SPORT1: Alexander Wölffing (©SPORT1/Nadine Rupp)

09.06.2015 - Am Samstag beginnen bei den European Games in Baku die Tischtennis-Wettbewerbe, von denen SPORT1 zum Teil live berichten wird. Zu diesem Anlass sprachen wir mit Alexander Wölffing, dem stellvertretenden Chefredakteur und Leiter Sports bei SPORT1, über die erste Veranstaltung dieser Art und wollten auch wissen, warum Tischtennis im Alltag so selten im Fernsehen auftaucht und was bei der Sendeplatzvergabe alles eine Rolle spielt.

myTischtennis.de: Herr Wölffing, warum hat man sich entschieden, die ersten European Games zu übertragen? Was sind da die Hintergründe und Ziele?

Alexander Wölffing: Grundsätzlich sind die European Games an sich schon eine sehr interessante Veranstaltung. Wir bilden ohnehin schon viele Europa- und Weltmeisterschaften – beispielsweise im Handball, Volleyball oder Hockey – ab und hatten im letzten Jahr olympisches Eishockey im Programm. Nun können wir zeigen, dass wir solche Multisport-Events auch gut präsentieren können und probieren das jetzt in einer Zeit aus, in der der Fußball größtenteils pausiert.

myTischtennis.de: Auf wie viele Stunden Tischtennis dürfen sich die SPORT1-Zuschauer freuen?

Alexander Wölffing: Das wird vom Tagesprogramm abhängen und situativ entschieden werden. Die Sendezeit im Tischtennis wird sich aber sicherlich auf eine zweistellige Anzahl von Stunden belaufen. Tischtennis hat in der ersten Woche Priorität, weil es eine klassische Sportart ist und weil die Möglichkeit besteht, sich auf direktem Wege für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

myTischtennis.de: Sie haben im letzten Jahr um Weihnachten herum eine Zusammenfassung des TTBL-Pokalfinals der Herren gezeigt, zeigen jetzt Teile des Tischtennis-Wettbewerbs bei den European Games. Warum findet Tischtennis im Alltag – anders als zuletzt in der Saison 2008/2009 – bei Ihnen keinen Sendeplatz mehr?

Alexander Wölffing: Wir haben in der Vergangenheit ja in unterschiedlichen Konstellationen versucht, Tischtennis einmal in der Woche zu übertragen: Live, in  Zusammenfassungen, haben Neuerungen integriert wie die Diagonalkamera, diverse Lichtinszenierungen und vieles mehr. Erfolg hat es nicht gebracht, eine annähernd reichweitenrelevante Masse konnte leider nicht erreicht werden. Benno Neumüller (Geschäftsführer der für die damaligen Übertragungen verantwortlichen contenthouse GmbH, Anm. d. Red.) hatte die Theorie, dass Tischtennis im Fernsehen funktionieren muss, weil es ein Volkssport ist. Vielleicht hat das aber genau den umgekehrten Effekt, d.h. die Leute betreiben es gerne, schauen es sich aber nicht gerne im Fernsehen an.

myTischtennis.de: Aber wäre nicht im Tagesverlauf noch Platz für Tischtennis, z.B. anstelle von diversen Teleshopping-Sendungen?

Alexander Wölffing: Zu Beginn der Sendergründung in den 90er-Jahren haben wir das noch gemacht, aber schon damals war das Interesse gering. Jetzt im Internet-Zeitalter ist Nicht-Live-Sport irrelevant – Fußball einmal ausgenommen. An Live-Sport findet unter der Woche tagsüber oft nur Tennis statt. Auch da sind die Reichweiten überschaubar.  Deshalb müssen wir uns außerhalb unserer Kernzeiten (diese sind: werktags ab 15 Uhr, Samstag und Sonntag, Anm. d. Red.) ums Geldverdienen kümmern.

myTischtennis.de: Ist in der jüngeren Vergangenheit von Seiten der TTBL, des Europäischen oder des Weltverbands denn mal jemand auf Sie zugekommen?

Alexander Wölffing: Nein. Europa- oder Weltmeisterschaften auszustrahlen, macht auch nur dann Sinn, wenn man es großflächig macht. D.h. nur eine Stunde das Halbfinale und eine Stunde das Finale zu zeigen, macht keinen Sinn. Wenn, dann muss man auch die ersten Runden ausstrahlen. Bei den ganzen Events, die aus anderen Sportarten bei uns sonst noch laufen, kriegen wir das für den Tischtennissport aber nicht großflächig hin.

myTischtennis.de: Welche Aufnahmekriterien gibt es denn überhaupt für eine Sportart, um auf einen bestimmten Sendeplatz zu kommen?

Alexander Wölffing: Am besten lässt sich das an unserem Kernrecht Fußball beschreiben. Im Lizenzvertrag mit der DFL ist festgelegt, wann wir beispielsweise unsere Formate „Bundesliga Pur“ und „Hattrick“ ausstrahlen dürfen. An Fußball-Bundesliga-Spieltagen sind diese ‚Slots’ dann automatisch belegt. Um den Fußball herum platzieren wir Handball, Basketball und Motorsport. Auch da gibt es vertraglich geregelte Übertragungszeiten. Wenn diese Sportarten alle stattfinden, ist ein Wochenende schon einmal komplett voll.

myTischtennis.de: Worin kann sich der Tischtennissport noch verbessern, wenn er wieder mehr ins Fernsehen will? 

Alexander Wölffing: Wenn es da eine Patentlösung geben würde, hätte davon schon einmal jemand Gebrauch gemacht. Benno Neumüller hatte die richtigen Ansätze, Tischtennis als Event aufzuziehen. Das Hauptthema beim Tischtennis ist die Kunst. Diese Geschwindigkeit, dieser Wahnsinn lässt sich – genau wie beim Eishockey – nur schwer im TV herüberbringen. Dieses Problem wird Tischtennis immer haben, auch wenn der Faktor ‚deutsche Helden’ mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zumindest gegeben ist. Doch auch in der Zeit, als Timo die Nummer eins war, hätte sich kaum jemand 1,5 oder 2 Stunden vor den Fernseher gesetzt. Die Konkurrenz um Sendeplätze ist heute einfach immens.

Die Tischtennis-Übertragungszeiten der European Games bei SPORT1 finden Sie hier!

(DK)

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