Bundesligen

Damen-BL: Essen zieht zurück – Ligastärke von nur sieben Teams

Der TUSEM Essen zieht sich aus dem Spitzensport zurück (©TUSEM Essen)

16.03.2017 - Bis Mittwoch hatten die Damen-Bundesligisten Zeit, eine Entscheidung über ihre Liga-Zugehörigkeit zu treffen. Seitdem steht fest: Nach dem TTV Hövelhof wird sich auch der TUSEM Essen aus der Damen-Bundesliga zurückziehen und komplett vom Spitzensport verabschieden. Die Leutzscher Füchse werden freiwillig den Gang in die 2. Liga antreten, Zweitligist Anröchte dagegen aufsteigen. Insgesamt haben nur sieben Mannschaften eine Verpflichtungserklärung für das Oberhaus abgegeben.

Bei TUSEM Essen hatte sich der Rückzug schon vor einiger Zeit angedeutet. Bis zuletzt hatte Teammanager Klaus Ohm aber weiter versucht, die nötigen Sponsorengelder aufzutreiben, selbst ein Schreiben an Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen blieb erfolglos. Am Ende fehlten dem Verein 50.000 Euro, rund zwei Drittel des nötigen Etats. Ohm gegenüber der Westfalenpost zur schwierigen Sponsorensuche: „Es liegt sicherlich daran, dass Tischtennis eine Nischensportart in Deutschland ist. Zuerst kommt der Fußball, dann der Fußball und noch einmal der Fußball. Dahinter bleibt noch Platz für ein bisschen Handball und Eishockey. Sportarten wie Tischtennis haben es besonders schwer."

Angesichts des drohenden Rückzugs zeichnete sich auch bei den Spielerinnen ein Abschied vom Verein ab, zuletzt bei Nadine Bollmeier. Sie wird laut der Westdeutschen Allgemeinen-Zeitung wohl in der Bundesliga bleiben, während es Barbora Balazova ins Ausland und Alena Lemmer zum Zweitligisten TSV Langstadt zieht. Su Yan wird ihre Karriere beenden, Aya Umemura hätte aus beruflichen ohnehin aufgehört. Essens Damen werden sich nach 22 Jahren in der 1. und 2. Liga nicht nur aus der Damen-Bundesliga, sondern komplett vom Spitzensport zurückziehen – wie es auch der TTV Hövelhof tut. Die zweite Mannschaft des TUSEM Essen, die derzeit in der Bezirksklasse spielt, wird zur neuen ersten Mannschaft.

Leipzig macht "von wohlverdientem Abstiegsrecht Gebrauch"
Nach fünf Jahren im Oberhaus wird das Bundesliga-Schlusslicht Leutzscher Füchse aus Leipzig den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. In einer am Donnerstag erschienenen Pressemitteilung, in der Präsident Christian Klas zu Wort kommt, heißt es, "die erste Liga hat mit Blick nach vorn leider ihren Reiz für uns verloren. Eine schwer nachvollziehbare Personalpolitik bei den meisten Vereinen, ein völlig zerrissener Terminplan, fehlende Erfolgsaussichten, keine Besserung in Sicht. Wie soll man da den Spannungsbogen bei Spielerinnen, Zuschauern, Sponsoren hoch halten? Die Motivation bei Huong und Huong Tho Do Thi, und auch bei Anna-Marie Helbig, weiter erste Liga zu spielen, war schon vor der Saison nicht mehr wirklich gegeben. Wir werden also von unserem wohlverdienten Abstiegsrecht einfach mal Gebrauch machen. Wir ziehen uns also nicht aus der Liga zurück, auf diese Nuance lege ich Wert."

Tags zuvor hatte Pressewart Marian Schmalz auf myTischtennis-Anfrage bestätigt, dass man nicht in der Bundesliga verbleiben werde. Die Spielstärken der stärksten und schwächsten Teams würden sich immer mehr unterscheiden, "wir wollen nun eine Mannschaft aufbauen, die in der 2. Liga konkurrenzfähig ist", so Schmalz. Ob Kathrin Mühlbach den Verein verlasse, sei noch nicht ganz klar, sie wolle aber wohl gerne weiterhin 1. Bundesliga spielen.

Anröchte wird aufsteigen, Schwabhausen verzichtet
Wie die Bundesligisten Berlin, Kolbermoor, Bingen, Bad Driburg, Böblingen und Busenbach hat unterdessen der derzeitige Zweite der 2. Bundesliga, der TTK Anröchte, eine Verpflichtungserklärung für das Oberhaus vorgelegt und wird in der kommenden Saison damit nach 2005/06, 2006/07 und 2010/11 zum vierten Mal in der Damen-Bundesliga an den Start gehen. Der 1. Vorsitzende Manfred Vogel gegenüber myTischtennis.de: "Der Etat wird bei uns nur leicht höher sein als bisher, wir wollen vielleicht noch ein, zwei Spielerinnen für das obere Paarkreuz holen." Vogel könne nicht verstehen, dass sich Vereine direkt zurückziehen würden, wenn das Geld ausbleibe. Denn: "Grundsätzlich bin ich der Meinung: Man muss mit den Spielern spielen, die man bezahlen kann."

Nicht aufsteigen möchte dagegen der TSV Schwabhausen, der sich erst zur letzten Saison aus der 1. in die 2. Liga zurückgezogen hatte. "Wir sind finanziell derzeit nicht in der Lage, die 1. Liga zu stemmen. Sportlich wäre es möglich, wenn im unteren Bereich drei oder vier Mannschaften auf Augenhöhe wären. Sich in der nächsten Saison nur mit Anröchte zu messen, macht sportlich wenig Sinn. Und aus finanziellen Gründen können wir uns eben nicht verstärken", so Abteilungsleiter Helmut Pfeil zu den Gründen gegen den Aufstieg des verlustpunktfreien Zweitliga-Spitzenreiters. Schon länger hatte beim letztjährigen Zweitliga-Meister und aktuellen Zweitliga-Dritten TuS Uentrop festgestanden, dass man nicht aufsteigen wolle.

Quo vadis, Damen-Bundesliga?
Damit wird die Damen-Bundesliga in der nächsten Saison lediglich eine Sollstärke von sieben Mannschaften erreichen. Ähnlich wenige Teams (acht) hatten sich zuletzt in der Spielzeit 2013/2014 im Oberhaus getummelt, damals hatten nach der regulären Saison Play-off-Spiele um die Meisterschaft und den Klassenerhalt stattgefunden.

Natürlich ist man beim Deutschen Tischtennis-Bund nicht zufrieden mit der Situation. Schon in der nächsten Woche werde man laut Damen-Bundesliga-Spielleiter Kolja Rottmann deshalb eine Sitzung der Bundesligisten abhalten, bei der z.B. Spielmodelle durchgesprochen werden könnten. Um Veränderungen zu beschließen, sei im Anschluss die Einberufung einer Bundesversammlung notwendig. Welche Neuerungen es geben könnte, das sei Rottmann zufolge noch nicht klar.

(DK/Emmert)

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