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Janinas Blog: "Cho" - Alle sagen's, keiner versteht's

Auch in Deutschland ist das "Cho" verbreitet (@Roscher)

22.08.2012 - Es ist wirklich bemerkenswert. Man geht an den vielen Tischen vorbei, sieht die unterschiedlichsten Nationen und hört doch immer wieder dasselbe Wort. "Cho!" Ein länderübergreifendes Verständigungsmittel quasi, von dem scheinbar niemand so recht weiß, wo es herkommt und was es bedeutet. In einer ruhigen Minute widmet sich myTischtennis-Redakteurin Janina Schäbitz diesmal der auditiven Ebene der WM.

Im Gegensatz zu gestern war heute wirklich sehr wenig los in der Dortmunder Westfalenhalle. Da herrschte um die Mittagszeit fast himmlische Ruhe. Naja fast! Aus Richtung VIP-Tribüne schallte in regelmäßigen Abständen ein "pau" oder "ouuh". Zuerst dachte ich: Okay, da wird halt in einer der Nebenhallen jemand spielen, der bei jeder Ballberührung seine Energie herausstöhnt. Inzwischen bezweifle ich aber, dass er das über sechs Stunden ohne Unterbrechung durchgehalten hat. Schließlich fällt so ein Ball auch irgendwann einmal herunter.

 

Vom "pau" und "ouuh" zum "Cho"

 

Ist ja eigentlich auch egal, wahrscheinlich war es nur ein kaputter Luftabzug. Das Geräusch hat jedenfalls genervt und ich begann, ein wenig über die auditive Ebene der WM nachzudenken. Denn wenn man so zwischen den Boxen umherstreift und sich von der Vielfalt der Tischtennisnationen begeistern lässt, findet man eine Sache doch mehr oder weniger länderübergreifend: Das "Cho"! Viel ist dazu bereits gemutmaßt worden, wenig Erleuchtendes dabei herausgekommen. Durchforstet man beispielsweise einmal die internationalen Tischtennisforen, findet man die wildesten Spekulationen über die Bedeutung dieses Jubelworts.

 

Von "Gieß Öl ins Feuer" über "guter Ball" bis hin zu "Töten" - was man übrigens nicht zu oft sagen solle, weil das ja schon ziemlich unhöflich sei. Ja, was denn nun? Einig ist man sich allerdings, dass das Wort "Cho" eine irgendwie geartete Entlehnung aus dem Chinesischen, genauer: Mandarin, ist. Und jetzt der Clou an der ganzen Geschichte: Die Chinesen wissen selbst nicht, was das bedeutet.

 

Waren's die Schweizer?

 

Donn Olsen, Mitarbeiter in der Werner-Schlager-Academy, begleitete die chinesische Nationalmannschaft bei ihrer WM-Vorbereitung in Schwechat und nutzte die Gelegenheit, einmal an der Quelle nachzuforschen (nachzulesen auf ITTF.com). So stellte er dem Damen-Nationaltrainer Shi Zhihao genau diese Frage und bekam zur Antwort: "Das weiß ich nicht!" Donn Olsen forschte daraufhin weiter, ob es nicht das chinesische Wort für 'Ball' sei und bekam die bestimmte, aber warme Antwort: "Oh nein, das heißt völlig anders."

 

Ja, aber wenn es nicht von den Chinesen kommt, wer hat's dann erfunden? Man stelle sich das mal vor: Irgendein Scherzkeks, vielleicht in einem Schweizer Kanton, überlegt sich, dass es doch witzig wäre, die ganze Tischtenniswelt zu infiltrieren und seine persönliche Kurzform für "Schoki" einzuschleusen. Für diese fixe Idee gewinnt er seine zwei chinesischen Kegelfreunde, die das Ganze nach Asien bringen, dann kommt das gute "Cho" auf Umwegen wieder zurück nach Europa und alle halten es für eine chinesische Bezeichnung für "Töten". Schon verrückt! Aber auch ich kann das Geheimnis nicht lüften. Wenn es selbst die Chinesen nicht wissen… Wer darauf eine fundierte Antwort hat, kann sie mir gerne mitteilen. Sicher ist, dass das "Cho" scheinbar hilft - beim Druck Ablassen, sich Anspornen und Freuen. Ob mit Schoki oder Öl im Feuer ist dann ja letztlich auch egal.

 

(Janina Schäbitz)

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