Panorama

Topspins gegen Armut - Die Mbale Tigers aus Uganda

Auch auf dem Schiedsrichterstuhl nehmen die Mbale Tigers Platz (@Magnus Laupa, Kontinent)

20.03.2012 - Hunger, mangelnde Bildung und Unterentwicklung - Uganda hat Besseres zu tun, als sich um Sportarten wie Tischtennis zu kümmern, könnte man meinen. Doch ein kleiner Tischtennisclub in der Stadt Mbale macht vor, dass der Sport die Situation vieler Menschen, und vor allem vieler Kinder, bedeutend verbessern kann. Wie der Umgang mit einem kleinen Zelluloidball ugandische Kinder aus den Slums holen kann, zeigt die Geschichte des Mbale Tigers Table Tennis Clubs.

In unserer Bildergalerie und im Video erhalten Sie einen Eindruck, wie in Uganda Tischtennis gespielt wird.

Emmanuel Matsyetsye hat eine Vision. Für ihn ist Tischtennis nicht nur ein Sport, sondern eine Möglichkeit, benachteiligten Kindern eine Perspektive zu bieten. Schauplatz für Matsyetsyes Bemühungen ist Mbale, die drittgrößte Stadt Ugandas, im Osten des afrikanischen Staates gelegen. Armut, HIV und mangelnde Bildung sind alltägliche Probleme, die die ugandische Bevölkerung beschäftigen - und wahrscheinlich auch in naher Zukunft noch beschäftigen werden. Doch Matsyetsye hat eine Möglichkeit gefunden, wie er einen kleinen Teil zur Verbesserung der Situation beitragen kann. 

1992 rief der Ugander den Mbale Tigers Table Tennis Club ins Leben, der 2003 die Aufmerksamkeit einer schwedischen Hilfsorganisation namens Twiga auf sich zog. Die Skandinavier gaben dem Projekt die nötigen Impulse, halfen mit Know-how, Materialien und Kontakten zu Sponsoren. Seitdem arbeitet man Hand in Hand an der positiven Entwicklung von ugandischen Kindern durch den Sport. Oberstes Gebot ist dabei, dass die Teilnehmer dafür nichts bezahlen müssen. Im Gegenteil: Mit den eingespielten Preisgeldern und einem Großteil der Spenden wird ihnen sogar der Schulbesuch finanziert. Für die Kinder der Mbale Tigers, die zu einem Großteil sehr arm sind und in Slums wohnen, ist dies ein Segen.

Durch Tischtennis zur Uni

Auf diese Weise konnten bisher 2000 Kinder unterstützt werden. Zu ihnen gehört auch Amina Kibone. Sie ist eine der 'Tigerinnen', die den Teufelskreis aus Armut und mangelnder Bildung dank des Sportclubs durchbrochen hat. Kibone erspielte sich nicht nur einen Platz im ugandischen Team für die Commonwealth Games 2010, sondern vor allem auch ihre Schulgebühren und einen höheren Lebensstandard. "Tischtennis hat das Leben meiner Familie verbessert", ist die junge Frau heute dankbar dafür, dass sie mit 13 Jahren den Weg in die Sporthalle gefunden hat. Denn anders als viele ihrer Mitschülerinnen verließ sie nicht die Schule, um in jungen Jahren schon Mutter zu werden, sondern studiert inzwischen an einer Universität.

Gerade für eine Frau ist das keine Selbstverständlichkeit. Doch wie die anderen Schützlinge der Mbale Tigers profitierte auch Kibone von den angebotenen Seminaren, die das Selbstbewusstsein der Kinder stärken, Führungsqualitäten herausbilden, aber auch über sexuelle Aufklärung und Aids informieren sollen. Die Erfahrungen, die Emmanuel Matsyetsye im Laufe der Jahre gesammelt hat, gibt er gerne auch an andere ugandische Organisationen weiter. So zum Beispiel an A-Unite im benachbarten Budaka, wo vor allem künstlerische Talente gefördert werden. Luisa Keckeisen, die dieses Projekt von Beginn an begleitet, kann bereits deutliche Entwicklungen beobachten. "Die Kinder auf dem Land gehen viel weniger in Schulen und widmen sich vor allem dem 'Farmern', was dazu führt, dass sie feinmotorisch vollkommen auf den Kopf gefallen zu sein scheinen", beschreibt die 21-jährige Schwarzwälderin ihre ersten Eindrücke. "Als ich diesmal wieder nach Budaka fuhr, habe ich dagegen hundert kleine Künstler und Künstlerinnen angetroffen."

Kleine Tiger schlagen große Nationalspieler

Die Tischtennisspieler stehen den musisch Begabten dabei in nichts nach. So berichtet Matsyetsye stolz von Talenten wie Gilton Chelibe, der laut dem Tigers-Gründer der beste Nachwuchsspieler Ugandas ist und selbst ältere Nationalspieler schlägt. Es kämen sogar Leute aus der Hauptstadt oder Kenia nach Mbale, um mit den Kindern spielen zu können und so ihre eigene Technik zu verbessern. Auch für die Team-WM in Dortmund haben sich die besten Tiger qualifiziert. Da aber die Regierung für die Reisekosten nicht aufkommen würde und der kleine Club das Geld nicht aufbringen kann, müssen sie aus finanziellen Gründen leider zu Hause bleiben. Auf die Paralympics in London dürfen sich dagegen schon einmal drei Spieler aus Mbale freuen, die dort zur ugandischen Delegation gehören werden.

Solche Erfolgserlebnisse werden sich häufen, wenn das übergeordnete, große Ziel erreicht ist. Die Mbale Tigers und ihre Helfer aus Schweden wollen nämlich die erste Tischtennis-Akademie Afrikas gründen, in der Training und Bildung kostenlos angeboten und Kinder zu professionellen Spielern geformt werden. Der Plan soll bis 2013 umgesetzt sein, ein paar Steine gilt es allerdings noch aus dem Weg zu räumen. So ist zwar bereits ein Stück Land gefunden und die Finanzierung des Daches geklärt, für das Fundament, die Wände und das Equipment fehlt dagegen noch das nötige Geld. Hinzu kommt, dass der Kooperationsvertrag mit der schwedischen Organisation bald ausläuft und die Mbale Tigers momentan ohne eigene Halle auskommen müssen. Emmanuel Matsyetsye ist bereit, auch diese Hürden zu überspringen. Denn seine Vision, die Sorgen der Armut aus den Gedanken der Kinder zu vertreiben, ist noch lange nicht ausgeträumt. Und wer weiß? Vielleicht finden sich ja auch bald deutsche helfende Hände, die die Mbale Tigers unterstützen möchten… 

 

Mehr Informationen finden Sie auf mbaletigers.com

Falls Sie die Mbale Tigers finanziell unterstützen möchten, finden Sie hier die Kontodaten des Clubs:
Mbale Tigers Table Tennis Club
Stanbic Bank Uganda - City Branch
Accountnumber: 0140007637001

(Janina Schäbitz)

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