Tokio 2020

Olympia-Quali: Diese Wege führen nach Tokio

Viele Wege führen zu den Olympischen Spielen 2020, doch höchstens drei Spieler pro Nation und Geschlecht dürfen nach Tokio (©ITTF)

11.06.2019 - Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio mögen noch mehr als ein Jahr in der Zukunft liegen. Nichtsdestotrotz spricht schon jetzt jeder in der Profiszene von dem Highlight, auf das bereits viele Vorbereitungen ausgerichtet sind. Kein Wunder: Schließlich steht schon nächste Woche mit den European Games das erste Qualifikationsturnier an. Tatsächlich führen aber viele Wege nach Tokio. Wir fassen zusammen, welche.

Einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein - diesen Wunsch teilen sicherlich alle Leistungssportler. Allerdings achten die Organisatoren des Sportevents Nummer eins penibel darauf, dass die Masse an Athleten, die alle vier Jahre zum Kräftemessen zusammenkommt, überschaubar bleibt. Die Anzahl der Startplätze ist also stark begrenzt - das gilt auch für die Tischtennisspieler, die bei den Olympischen Spielen in Tokio erstmals auch um einen fünften Titel im Mixed-Doppel kämpfen werden. Insgesamt werden voraussichtlich 172 Athleten, 86 Frauen und 86 Männer, an den Tischtenniswettkämpfen teilnehmen. Auf welchem Weg man einer davon werden kann, skizzieren wir im Folgenden.

Eine der wichtigsten Grundbedingungen der Qualifikation lautet, dass jede Nation insgesamt höchstens drei Athleten pro Geschlecht stellen darf. Es ist also nicht möglich, drei Spieler für den Teamwettbewerb, zwei weitere für das Einzel und ein Mixed-Duo in nochmals anderer Besetzung zu nominieren. Darf eine Nation also beispielsweise am Mannschaftswettbewerb teilnehmen, müssen aus diesem Trio auch die beiden Einzelspieler und der Mixedstarter hervorgehen, wenn denn in allen drei Wettbewerben angetreten werden darf. Die sportliche Qualifikation allein, die im Folgenden skizziert wird, reicht auf jeden Fall nicht aus: Die Sportler müssen zudem offiziell von ihren Nationalen Olympischen Komitees (NOK) nominiert werden.

1.) Qualifikation zum Teamwettbewerb

16 Mannschaften dürfen in Tokio pro Geschlecht teilnehmen, wobei für jede Nation höchstens ein Team startberechtigt ist. Sechs dieser 16 Mannschaften werden durch kontinentale Qualifikationsturniere wie zum Beispiel die European Games ermittelt. Jeder Kontinent richtet ein solches Turnier aus und darf jeweils den Gewinner nach Tokio schicken. Die Zusammensetzung des Teams bei den Olympischen Spielen kann jedoch eine andere als bei dem Qualifikationsturnier sein. Erspielt wird lediglich der Team-Startplatz. Holen Spieler A, B und C diesen beispielsweise bei den European Games, können dennoch Spieler X, Y und Z in Tokio antreten. Eine zweite Möglichkeit, sich für den Teamwettbewerb zu qualifizieren, wird beim Welt-Teamqualifikationsturnier Ende Januar 2020 in Portugal geboten. Hier treten von allen Kontinenten jene Mannschaften an, die das kontinentale Turnier nicht gewinnen konnten, aber dennoch in Tokio dabei sein möchten. Neun Mannschaften können sich hier ihren Startplatz sichern. Das letzte Ticket in dieser Disziplin geht schließlich an die Gastgebernation, also Japan, wenn sich diese nicht schon durch eine der anderen Möglichkeiten qualifiziert hat. In diesem Fall würde der Platz über die Team-Weltrangliste von Juni 2020 vergeben.

2.) Qualifikation zum Einzelwettbewerb

An den Einzelwettbewerben dürfen 64 bis 70 Spieler pro Geschlecht teilnehmen, wobei jede Nation höchstens zwei Spieler stellen darf. 32 Teilnehmer ergeben sich aus den 16 für den Mannschaftswettbewerb qualifizierten Teams. Jede Mannschaft, die in dieser Konkurrenz mitspielt, darf auch zwei Einzelstarter benennen. 22 weitere Spieler qualifizieren sich über die kontinentale Einzelqualifikation. Im Fall von Europa ergibt sich bei den European Games die erste Gelegenheit dazu - hier gibt es für die drei Medaillengewinner im Einzel einen Startplatz. Ein weiteres europäisches Qualifikationsturnier wird im April in Moskau stattfinden. Insgesamt können sich auf diese Weise sechs Europäer für Tokio qualifizieren, in Nordamerika wird aber zum Beispiel nur um einen einzigen Startplatz gespielt. Ende Mai 2020 steht dann in Qatar das finale Welt-Einzelqualifikationsturnier auf dem Programm, wo sich mindestens zwei und höchstens acht Spieler das Tokioticket sichern können - je nach dem, ob die bis dahin erspielten Startplätze auch genutzt werden oder nicht. Zudem vergibt die Tripartite Commission eine Wildcard, die übrigen freien Plätze (mindestens einer, maximal 13) werden über die Weltrangliste vergeben. 

3.) Qualifikation zum Mixedwettbewerb

Zum erstmals bei Olympischen Spielen ausgetragenen Mixedwettbewerb werden in Tokio 16 Doppel pro Geschlecht zugelassen. Auch hier können Startplätze über ein kontinentales Qualifikationsturnier errungen werden. In Europa sind das auch in diesem Fall die European Games, bei denen sich das Siegerpaar für Tokio empfiehlt. Vier weitere Duos qualifizieren sich über die World Tour Grand Finals 2019. Somit sind viele erfolgreiche Einsätze auf der World Tour schon im Laufe dieses Jahres notwendig, um überhaupt zu den Grand Finals eingeladen zu werden. Eine Chance auf fünf weitere Startplätze bietet sich auf der World Tour 2020, wo auf drei Etappen, z.B. den German Open, ebenfalls um Tokiotickets gekämpft wird. Das 16. Mixed-Duo wird schließlich ein Doppel aus dem Gastgeberland Japan sein, wenn sich keines auf einem anderen Weg qualifizieren konnte. 

Auch wenn der Mixedwettbewerb als zusätzliche Disziplin zum Team- und Einzelwettbewerb stößt, gibt es für diese Konkurrenz keine zusätzlichen Quotenplätze. Das bedeutet, dass alle Mixed-Starter, deren Nation auch im Teamwettbewerb dabei ist, auch Teil dieser Mannschaft sein müssen. Im Gegenzug bedeutet ein Platz im Teamwettbewerb nicht automatisch auch eine Startberechtigung für das Mixed-Doppel. Man darf also nicht wie im Einzel Spieler aus seinem eh qualifizierten Team automatisch für das Mixed benennen. Die Starter dieser Konkurrenz müssen sich einen persönlichen Startplatz erkämpfen und können diesen auch nicht an Kollegen der eigenen Nation weitergeben. Das heißt, es geht nicht, dass sich X/Y durch einen Sieg bei den European Games ein Ticket für Tokio erspielen, dieser aber von A/B bei den Olympischen Spielen übernommen wird. Gewinnt ein Duo über die verschiedenen Qualifikationswege zwei Startplätze, wird ein Ticket über die Mixed-Weltrangliste vergeben. Um hier weit oben zu stehen, muss man erfolgreich an World-Tour-Turnieren teilnehmen. Generell gilt: Wird ein über ein Qualifikationsturnier erspielter Platz nicht genutzt, geht er entweder an den Nächstbesten in diesem Turnier oder wird über die Weltrangliste aufgefüllt. Auch nicht genutzte Gastgeber- oder Tripartite-Commission-Plätze werden über die Weltrangliste vergeben.

Doch ein erspielter Startplatz alleine bringt einen noch nicht in Japans Hauptstadt. Am Ende muss nach der sportlichen Qualifikation, wie eingangs erwähnt, auch noch das Nationale Olympische Komitee, im Falle Deutschlands also der DOSB, sein ‚Okay‘ geben. Erst nach der offiziellen Nominierung der Olympiastarter steht fest, dass die Athleten wirklich nach Tokio fahren dürfen. Schwedens Matilda Ekholm oder Trinko Keen aus den Niederlanden hat das Schicksal, trotz Erfüllung der sportlichen Kriterien nicht zu den Olympioniken zählen zu dürfen, in der Vergangenheit schon ereilt, weil ihre Erfolgschancen als zu gering eingeschätzt worden waren. Von daher gibt es zwar viele Wege, die nach Tokio führen - die eine oder andere Kurve oder sogar Sackgasse ist aber auch dabei.

Zur offiziellen Beschreibung der ITTF!

(JS)

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