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Ex-DTTB-Cheftrainer Charles Roesch verstorben

Charles Roesch und Eva Jeler im Jahr 1990 (©privat)

22.12.2015 - Am Samstag ist der Ex-DTTB-Cheftrainer Charles Roesch im Alter von 93 Jahren verstorben. Der gebürtige Elsässer war von 1983 bis 1989 Cheftrainer des DTTB. Höhepunkt seiner Schaffenszeit war der Weltmeistertitel des Doppels Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner 1989 in Dortmund. Im Anschluss daran beendete Roesch seine Tätigkeit beim DTTB und ging in Pension. Die langjährige Weggefährtin Eva Jeler gibt uns einen Einblick, wer Charles Roesch war.

Jeler arbeitete mit Roesch in dessen Zeit beim DTTB eng zusammen, seitdem verband die beiden eine tiefe Freundschaft. Über ihn sagt die derzeitge DTTB-Cheftrainerin im Nachwuchsbereich: "Charles war ein sehr guter Mensch, einer meiner besten Freunde. Er hatte eine harte Schale, aber einen weichen Kern, hat Tischtennis mit ganzem Herzen geliebt." Der gelernte Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaft habe eine überaus strukturierte Arbeitsweise gehabt, habe begriffen, was wichtig und was unwichtig sei und das Wichtige wie eben ein Lehrer sehr gut vermitteln können. "Immer wieder hat er aber auch selbst versucht, Neues zu lernen, hat in hohem Alter noch Golf und Windsurfen gelernt und ging Inlineskaten. Als er damals mit 61 Jahren zum DTTB kam, dachten manche: Was will man mit so einem alten Mann. Aber ganz im Gegenteil: Charles war den anderen immer einen Schritt voraus, war fortschrittlich, innovativ und im Kopf modern. Er war wie ein Buch, ich habe unheimlich viel von ihm gelernt."

Schon als Spielerin hatte Jeler den Elsässer, der zuvor für den französischen und schweizerischen Verband arbeitete, auf der gegnerischen Trainerbank und bei der Teilnahme an Lehrgängen, die dieser veranstaltete, erlebt und war von ihm begeistert. Als es im deutschen Tischtennissport 1983 kriselte – die Herren waren bei der WM nur 16. geworden, die Damen 21. –, wurde Roesch, auf Vorschlag Jelers, von Hans-Wilhelm Gäb schließlich zum DTTB geholt, denn Gäb sah den DTTB als 'schlafenden Riesen' an. Bei seiner Station in Frankreich hatte Roesch, der sich und seine Frau einst als 'Weltbürger' bezeichnete, die Form eines zentralen Tischtennis Förderungssystems mitgetragen, dadurch reifte die Idee, ein solches auch in Deutschland umzusetzen. So wurde bereits 1985 das erste Leistungszentrum in Duisburg-Wedau gegründet, dieses zog zwei Jahre später nach Heidelberg um. Im Jahr 2006 entstand schließlich das DTTZ in Düsseldorf.

"Kein bequemer Mann"
1986 heißt es im "Spiegel", mancher Nationalspieler sei unzufrieden mit Roesch gewesen und hätte sich mit ihm überworfen. In einem Artikel des Magazins "Deutscher Tischtennis-Sport" (heute "tischtennis", Anm. d. Red.) ein Jahr später schreibt Manfred Schäfer: "Charles Roesch ist kein bequemer Mann; kein Mann, der sich für den leichten Weg entscheidet, der Konfrontationen ausweicht. [...] Als 'Preuße unter den Franzosen' hat man ihn tituliert – hart aber ist er vor allem gegen sich selbst; von sich und den Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, verlangt er Disziplin – in allen Bereichen." Eva Jeler sagt: "Wenn es Probleme gab, dann lag das meistens an den Menschen selbst, nicht an Charles Roesch. Der DTTB, der zweitgrößte Verband nach China, war vor Roeschs Engagement nicht so gut organisiert. Das änderte sich erst, als er kam. Ohne ihn hätte es den WM-Triumph von Roßkopf und Fetzner – Rokopf hatte er nur ein paar Jahre betreut – wahrscheinlich nie gegeben."

Auch in den Jahren nach der gemeinsamen Tätigkeit beim DTTB hielten Roesch und Jeler Kontakt, schrieben sich regelmäßig, zunächst noch per Hand, als die Handschrift des Franzosen schlechter wurde, auf elektronischem Wege. Erst in den letzten Jahren wurde der Kontakt weniger, Roesch lebte inzwischen genau wie seine Frau, die er einige Jahre gepflegt hatte, in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Über Roeschs Sohn Christian fand zwischen Jeler und dem Franzosen dennoch bis zum Ende eine Art Austausch statt. "Es war ein Glücksfall, ihn kennengelernt zu haben und von ihm lernen zu dürfen. Ich habe in meinem Leben bisher keine einzige Trainingsstunde gegeben, die nicht durch ihn beeinflusst gewesen wäre", so Jeler zum Abschluss.

(DK)

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