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Einzel-Weltmeister mit 18: Die Legende Stellan Bengtsson

Stellan Bengtsson und Kumpel Jörgen Persson (©Facebook: Stellan & Angie Bengtsson Coaching)

04.08.2014 - Unser Serie "Die Stars von gestern" geht in die nächste Runde: Nach Peter Stellwag und Desmond Douglas stellen wir Ihnen diesmal Stellan Bengtsson vor. Der inzwischen 62-jährige Schwede wurde 1971 im Alter von gerade einmal 18 Jahren überraschend Einzel-Weltmeister. Wie er die Weltmeisterschaft 1971 und die Rückkehr in seine Heimat Falkenberg erlebt hat und wie seine Karriere danach weiterging, das und vieles mehr erfahren Sie hier!

Abenteuer Katar mit Kumpel Jörgen Persson 
„In dieser Zeit gab es eine Vielzahl an guten Spielern, auch in Europa. Es da bis nach ganz oben auf’s Treppchen zu schaffen, da musste schon viel zusammenlaufen an einem Tag“, erklärt der Linkshänder. 1980 ist es schließlich noch einmal so weit: Bengtsson gewinnt zum zweiten Mal das Europe Top 12-Turnier. Im selben Jahr wechselt er mit inzwischen 28 Jahren nach Deutschland, heuert zunächst beim TTC Jülich an. Über Grünweiß Bad Hamm („Die familiäre Atmosphäre dort hat mir sehr gut gefallen und ich hatte damals einfach den besten Schläger von allen Bundesliga-Spielern") gelangt Bengtsson nach Saarbrücken, wo die Strukturen seiner Meinung nach „für die damalige Zeit schon sehr professionell“ sind. Mit den Saarländern gewinnt er zweimal die Meisterschaft, ehe es zum TTC Altena und schließlich wieder zurück nach Schweden, zu seinem Heimatverein BTK Falkenberg, geht. Dort wird er noch einige Jahre spielen, ehe er mit Mitte 30 merkt: „Um mein Niveau zu halten, musste ich immer härter trainieren. Auch Verletzungen verheilten nicht so schnell wie in den Jahren zuvor.“

So wechselt er in die Rolle des Trainers und übernimmt 1987 seinen ehemaligen Verein, den ATSV Saarbrücken. Spieler wie Georg Böhm, Jan-Ove Waldner oder Jörgen Persson sind unter ihm als Trainer dort überaus erfolgreich, was u.a. zum Triple 1989 führt. Zu Persson entwickelt sich durch die Zusammenarbeit sogar eine bis heute währende Freundschaft. Nachdem Bengtsson in den 90ern nach Falkenberg zurückkehrt, um teils für den schwedischen und später den dänischen Verband, teils für STIGA als Trainer zu arbeiten, verschlägt es die beiden Schweden im Jahr 2006 nach Katar. Auch dort wird tatsächlich Tischtennis gespielt, an der pompösen Aspire Academy for Sports Excellence. Und das gar nicht mal schlecht. Was allerdings zu wünschen übrig lässt: Die Motivation der katarischen Schützlinge. „Ich frage mich hier langsam, ob ich Trainer oder Motivator bin“, ruft Bengtsson, die Hände vor das Gesicht geschlagen, seinem Kumpel Persson in einer Trainingseinheit zu. Nach einem Jahr Katar 'flüchten' beide zurück in ihre Heimat.

"Die haben sich zu wenig um die Jugendarbeit bemüht"
Heute lebt der inzwischen 62-Jährige in den USA, genauer gesagt in San Diego, Kalfornien. Zusammen mit seiner Frau, der ehemaligen US-amerikanischen Tischtennisspielerin Angelita Rosal Bengtsson, verdient er sich hier sein Geld, indem er Trainingscamps leitet. Bengtsson ist Vater von drei Kindern (einer 36-jährigen Tochter, zweier 29-jähriger Zwillingssöhne), die allerdings wenig mit Tischtennis zu tun haben. „Die wurden schon in frühen Jahren gefragt, ob sie mal in meine Fußstapfen treten werden. Das hat sie wahrscheinlich abgeschreckt“, mutmaßt Bengtsson. Immerhin Sohn Christopher ist gelegentlich als Tischtennis-Trainer im Einsatz und verdient sich so ein Zubrot zu seinem Design-Studium. Stellan Bengtsson selbst ist natürlich auch heute noch an seinem Sport interessiert. Mit großer Enttäuschung beobachtet er den Werdegang der schwedischen Nationalmannschaft: „Beim schwedischen Verband hatten zeitweise die falschen Leute das Sagen. Die haben sich zu wenig um die Jugendarbeit bemüht. Jetzt wieder in die Weltspitze zurückzukehren, ist natürlich wahnsinnig schwer.“

Die Generation Waldner, Persson und Appelgren habe wiederum schon ein wenig von den Erfahrungen ihrer Vorgänger wie Johansson, Alsér und ihm selbst profitiert, glaubt der Linkshänder. Und wie sieht es mit der Entwicklung des Tischtennis im Allgemeinen aus? „Tischtennis ist simpler geworden, weil viel athletischer, und kommt in diesem Aspekt immer näher an Tennis heran“, findet Bengtsson, dem laut eigener Einschätzung die verkürzten Sätze bis elf wohl zu Gute kommen würden. Insgesamt, so denkt er, sei er in seiner aktiven Zeit ein recht kompletter Spieler gewesen. „Nur zu Beginn meiner Karriere gegen Abwehrspieler, insbesondere Eberhard Schöler, hat mir einfach die Geduld gefehlt. Schöler war einer der besten Spieler, gegen die ich jemals gespielt habe.“ Anders als z.B. Mikael Appelgren, der häufiger bei Senioren-Europa- und Weltmeisterschaften im Einsatz ist, und anderen Altstars, hat Bengtsson wenig Lust, heute noch selbst am Tisch zu stehen. Von einer Netzhautablösung, die ihn fast sein linkes Augenlicht kostete, hat er sich zwar fast wieder erholt, allerdings auch knapp die Hälfte seiner Sehkraft auf diesem Auge eingebüßt. Mit seiner Frau Angelita an solchen Turnieren wie den Senioren-Weltmeisterschaften im Mixed-Doppel anzutreten, das muss(te) der 62-Jährige nicht haben. „Dafür ist unsere Beziehung zu gut“, lacht Bengtsson zum Abschluss des Gesprächs. Nachvollziehbar, wenn man in seiner Karriere fast alles erreicht hat. 



Hier lesen Sie das Desmond Douglas-Porträt!

(DK)

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