Buntes

Hella von Sinnen und die Legende des ersten Belags

So sahen Tischtennisschläger oftmals vor 1902 aus (©Schäbitz)

16.07.2013 - "Warum gewann ein Engländer nach dem Gang in eine Apotheke ein Tischtennisturnier, obwohl er nicht der beste Spieler war?" So lautete die Frage einer "Genial daneben"-Episode im Januar 2004. Kaum zu glauben, aber die Raterunde fand tatsächlich die richtige Lösung heraus, die sich um die Entstehung des ersten Hartgummi-Noppenbelags dreht. Wir haben Chuck Hoey, den Kurator des ITTF-Museums, gefragt, was es mit dieser Geschichte auf sich hat.

Hella von Sinnen war es damals, die nach einigen Rateversuchen ihrer Mitstreiter Christoph Maria Herbst, Oliver Kalkofe, dem inzwischen verstorbenen Dirk Bach und Bernhard Hoecker des Rätsels Lösung auf die Spur kam: E.C. Goode, so der Name des besagten Engländers, ging im Jahr 1902 in eine Apotheke, weil er Kopfschmerzen hatte. Beim Bezahlen bemerkte er, dass Geldstücke auf der Bezahlfläche absprangen, die aus einem Gummimaterial bestand. Daraufhin kaufte er einen Teil dieser Gummimatte, klebte sie auf seinen Schläger und gewann als Außenseiter anschließend ein Turnier, bei dem alle anderen Teilnehmer noch mit einfachen Holzschlägern oder anderen Kreationen spielten.

Aber was ist wirklich an dieser Geschichte dran? Ist sie nur eine Legende oder ist sie historisch belegt? Das wollten wir genauer wissen und haben uns bei Chuck Hoey umgehört. Der Amerikaner ist Kurator des ITTF-Museums in Lausanne, sammelt seit 40 Jahren diverse Tischtennis-Utensilien und weiß bestens über die Tischtennis-Historie Bescheid. "Es gibt keinen Beweis für diese Geschichte und als Historiker muss ich den Beweis höher gewichten als jegliche Spekulation", berichtet Hoey und verweist auf eine Abhandlung von ihm über diese und andere Legenden der Tischtennis-Geschichte.

Frank Bryan reicht erstes Patent über Gummibelag ein
Dort erwähnt er das Buch "Ping-Pong The Game & How to Play it", das von Arnold Parker verfasst wurde und im März 1902 erschien. "Es gibt einen (Schläger), der mit einem Kautschukgummi-Belag bedeckt ist. Sehr ähnlich dem Material, das man auf Bezahloberflächen findet, damit sich Geld leichter aufheben lässt", heißt es in dem Buch. In der Person dieses Arnold Parker sieht Chuck Hoey den Grund, warum die Legende um E.C. Goode entstanden ist. Das erste Patent über einen Holzschläger mit Kautschukgummi- bzw. Hartgumminoppenbelag sicherte sich jedoch in Wahrheit ein Anderer  der Londoner Sportartikel-Hersteller Frank Bryan. Der schrieb in seinem bereits 1901 eingereichten Patentantrag: "[...]Bis jetzt war es üblich, Tischtennis mit einem Federballschläger mit Pergamentauflage zu spielen oder solchen, die beim Rasentennis verwendet werden. Jetzt habe ich herausgefunden, dass ein Schläger, der mit einem dünnen Stück Kautschukgummi bedeckt ist, einen großen Spielfortschritt bedeutet und es dem Spieler möglich macht, eine größere Rotationsbewegung zu erzeugen.[...]" 

Ob Frank Bryan seine Erfindung später noch – gemessen an dem Siegeszug, den der Hartgummi-Noppenbelag in der Folge antrat  gewinnbringend vermarkten konnte, ist laut Chuck Hoey nicht bekannt. Möglicherweise verkaufte Bryan sein Patent an den Konkurrenten Slazenger (bis heute Ausrüster des Wimbledon-Tennis-Turniers). Klar scheint jedoch, dass der Ursprung dieses Belags – zumindest der Menge an stichhaltigen Beweisen zufolge  nicht bei E.C. Goode, sondern Frank Bryan liegt. Eine nette Geschichte, die es in die Sendung "Genial daneben" schaffte, ist es aber allemal.

(Unten finden Sie das Video zur damaligen Folge. Die zweite Frage ist die von uns erwähnte.)

 

(DK/YouTube)

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