Buntes

Fankultur im Tischtennis: ‚Ping-Pong-Ultras’ in der TTBL

Die 'Ping-Pong-Ultras' des TSV Bad Königshofen jubeln ihren Spielern zu. (©TSV Bad Königshofen)

18.11.2019 - Nicht alle von ihnen sind selber aktiv, ihre Liebe zum Tischtennis äußern sie in einer ganz speziellen Form. Die Rede ist von den Fans. Denn treue Anhänger gibt es nicht nur im Fußball, sondern auch in der schnellsten Ballsportart der Welt zu Genüge. Wir haben Einblicke in die Organisation zweier Fanclubs erhalten, die Woche für Woche mit Herz und Seele dabei sind, um ihr Team in der TTBL zu unterstützen. Darüber hinaus treffen sich die Mitglieder auch außerhalb der Spieltage.

Als Tischtennisfan ist es manchmal nicht ganz so einfach. Während man sich im Fußballstadion über 90 Minuten die Lunge aus dem Leib schreien kann, darf in der Halle natürlich nur zwischen den Ballwechseln richtig Krach gemacht werden – zu störend würde die erhöhte Lautstärke auf die Spieler wirken. Eigentlich verrückt, denn beim Darts in England grölen tausende von Zuschauern auch dann, wenn die Profis ihre Pfeile voller Konzentration in wenige Millimeter kleine Felder werfen müssen. Beim Tischtennis ist es eine Sache der korrekten Etikette, die akzeptiert wird, ohne dabei große Diskussionen zu entfachen.

Viel Abwechslung und friedliche Stimmung auf den Rängen

Fan zu sein ist von Sportart zu Sportart also verschieden, so viel steht fest. Dennoch ist gerade für viele der Reiz besonders groß, ihre TT-Idole mächtig anzufeuern. Wie zum Beispiel beim TSV Bad Königshofen, der seit 2017 in der TTBL spielt. Nicht erst seitdem besteht bei den Unterfranken eine Gruppe von Supportern, die sich selbst auf den Namen ‚Ping-Pong-Ultras‘ getauft hat. Josef Weber ist einer davon. Er schaute vor gut zwei Jahren auf Vorschlag seines Sohnes zum ersten Mal in der Shakehands-Arena vorbei.

Danach wollte er nicht mehr weg. Die „friedliche, irre Stimmung“ fesselte ihn sofort. Weber kam wieder und wieder, lernte mit der Zeit viele Gleichgesinnte kennen und hat seinen festen Stehplatz hinter der letzten Sitzreihe unterm Hallendach gefunden. Tischtennis ist seine große Leidenschaft geworden, langweilig wird es nie. „Es ist alle paar Sekunden ein Riesenerlebnis“, sagt er. Störenfriede kommen keine, die Begriffe Fairness und Benehmen werden großgeschrieben. „Bei uns wird nicht rein gebrüllt, beleidigt oder getrunken“, stellt der 58-Jährige klar.

TTBL-Masterplan: Fanclubpflicht inklusive Auswärtsfahrten mit dem Bus

Den Begriff ‚Ultra‘ pflegen die Bad Königshofener übrigens in vielerlei Hinsicht. So auch bei der Wahl der orangefarbenen T-Shirts, die für die passende Optik sorgen. Akustisch setzen die Fans hauptsächlich über lautes Klatschen und abgehackte Namensrufe wie zum Beispiel „Mi-zu-ki“ (Oikawa) ein Zeichen. Außerhalb der Spiele treffen sich die Mitglieder im Club-Lokal, um gemeinsam über bevorstehende Auswärtsfahrten zu sprechen. Sitzungen und Versammlungen werden nicht gehalten. „Wir sind kein eingetragener Verein, zahlen keine Beiträge und wählen auch keinen Vorstand“, erklärt Josef Weber.

Mittlerweile sieht es sogar auch der TTBL-Masterplan vor, dass jeder Verein dazu verpflichtet ist, einen Fanclub aufzubauen, für zwei Auswärtsspiele einen Fanbus mit mindestens 15 Mitfahrern zu chartern und das Amt eines Fanbeauftragten zu vergeben. Aber wie sieht es bei anderen Vereinen in Deutschland aus? Der Fanclub von Borussia Düsseldorf existiert bereits seit stolzen 31 Jahren. Für eine Mitgliedschaft ist neben einer einmaligen Aufnahmegebühr von 15 Euro auch ein monatlicher Beitrag fällig, der allerdings auch eine Dauerkarte enthält.

Freundschaftliche und lebendige Fankultur auch bei großen Turnieren

Beim Post SV Mühlhausen sind wie in Bad Königshofen keine Zahlungen notwendig. Die Atmosphäre in der Halle am Kristanplatz ist definitiv besonders. Als "vierter Mann" verwandeln die Fans die altehrwürdige Spielstätte Woche für Woche in einen Hexenkessel. Ob Trommeln, Trompeten, Tröten, Rasseln oder Glocken - alles was Lärm macht, sorgt dafür, dass in der Thüringer Provinz so richtig die Post abgeht. Torsten Theo Schmidt, Fanbeauftragter beim Post SV, schätzt vor allem die Nähe zu den Spielern. Die Begeisterung der Fans wird auch von den Profis vernommen. Kontaktscheu ist von ihnen niemand.

„Sie bedanken sich regelmäßig und kommen zu unserem Frühlingsfest. Generell ist das Verhältnis sehr eng und familiär“, so der ehrenamtlich tätige Fanbeauftragte. Emotionen und Standing Ovations sind in der TTBL gängiger Alltag. Gerade bei größeren internationalen Turnieren beklagen viele aber eine mangelnde Fankultur. La-Ola-Wellen auf den Rängen rollen nur selten los. Schmidt hat bei der WM in Budapest im April völlig andere Erfahrungen gemacht. Mühlhausens Ovidiu Ionescu, der im Doppel mit Alvaro Robles Silber gewann, wurde dort ebenfalls laut bejubelt. „Unsere Truppe hat sich mit spanischen Fans angefreundet“, berichtet Schmidt. Bei den German Open im Februar soll es in Magdeburg ähnlich kumpelhaft ablaufen.

Übrigens: Wer Lust hat, kann jederzeit bei einem TTBL-Heimspiel in Bad Königshofen oder Mühlhausen vorbeischauen. Neumitglieder sind herzlich willkommen. Interessierte können sich auch direkt an die Fanbeauftragten der jeweiligen Vereine wenden. 

(FKT)

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