Buntes

0:188-Bilanz bisher – "nehme es mit Humor!"

Meist unterlag Michael Liemann seinen Gegnern mit 0:3 (©myTT)

12.07.2019 - Überaus erfolgreiche Vereine, junge TTR-Jäger, Vielspieler – darüber haben wir in den letzten Ausgaben unserer Reihe zu "kuriosen Statistiken" berichtet. Diese Fälle sind es meist auch, die sich von Jahr zu Jahr wiederholen. Einen nicht ganz alltäglichen Fall hat dagegen Michael Liemann (SpVgg Heroldsbach/Thurn) eingereicht – er hat uns auf seine eigene Bilanz hingewiesen: 188 Niederlagen in 188 Einzeln.

Einmal kräftig Luft holen, dann den entscheidenden Punkt machen und nach dem verwandelten Matchball die Arme zum Jubeln nach oben reißen: Eine Situation, die die allermeisten Tischtennisspieler kennen, ist Michael Liemann (TTR-Wert: 927) – zumindest in 'Pflichtspielen' – bisher noch unbekannt. Der 55-Jährige wartet nach drei Jahren aktiver Karriere noch auf seinen ersten Einzelsieg bei einem Turnier oder Punktspiel seiner Mannschaft. 

Durch Sohn Henri zum Tischtennis zurückgefunden
Dabei war Michael Liemann eigentlich schon recht früh mit Tischtennis in Berührung gekommen. In seinem Elternhaus hatte ein Tisch im kleinen Keller gestanden und gegen Ende seiner Schulzeit 1981 war Tischtennis dann auch einmal Teil des Lehrplans gewesen. Danach aber hielt er erst einmal 30 Jahre lang keinen Schläger in der Hand, spielte stattdessen Schach ("die letzte Punktzahl lag über 2100", Zitat Liemann). Seinen Sohn jedoch konnte er von seinem Hobby nur wenig überzeugen. So kam der Heroldsbacher im Jahr 2013 auf die Idee, seinen Filius doch mal zum Tischtennis zu fahren – mit Erfolg. Schließlich ist Henri Liemann nach wie vor am Ball und weist mit seinen 17 Jahren mittlerweile einen TTR-Wert von 1.559 Punkten auf. 

"Irgendwann war mir das alleinige Zuschauen bei den Spielen meines Sohns aber viel zu anstrengend", berichtet Michael Liemann. So beschloss er, selbst in die Box zu steigen, trainierte einige Male in der Woche u. a. mit seinem Sohn und machte im September 2016 seine ersten Spiele bei einem Bavarian TT-Race, der bayerischen Turnierserie. Ein Satzgewinn gegen sechs Spieler mit TTR-Werten zwischen 1.126 und 1.324 Punkten war ihm dort allerdings noch nicht vergönnt. Es folgten im nächsten Dreivierteljahr 45 weitere 0:3-Niederlagen – vier davon gegen seinen Sohn –, ehe Liemann am 21. Januar 2017 gegen Günther Richter (TTR-Wert damals: 1379) seinen ersten Satz für sich entschied, die Partie am Ende aber auch mit 1:3 verlor. 

Einmal ganz nah dran am Erfolg
Ein Punktspiel für seinen Verein, die SpVgg Heroldsbach/Thurn, hatte der 55-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestritten. "Ich spiele fast ausschließlich TT-Races, weil ich in der Woche beruflich unterwegs bin", erklärt Liemann, der sein erstes und bisher einziges Punktspiel für seine Mannschaft schließlich im Februar 2017 machte, "weil der Mannschaftsführer sehr, sehr dringend" jemanden gebraucht habe. Auch hier musste er sich Spielern mit rund 300 TTR-Punkten mehr als er selbst zweimal 0:3 geschlagen geben.

Zehn Satzgewinne sind in 141 weiteren Einzeln bis heute immerhin noch dazugekommen. Auf einen Sieg wartet Liemann, der inzwischen nur noch unregelmäßig trainiert (zumindest hier ab und zu gegen Jugendliche gewinnt), aber nach wie vor vergeblich. Ganz nah dran war er am 31. März 2018, als er bei einem Turnier des andro WTTV Cups gegen Michael Ulbrich (1.154 TTR-Punkte) im vierten Satz einen Matchball hatte, den Durchgang aber mit 13:15 verlor und im Entscheidungssatz ohne große Chance war (4:11). Es sollte sein bis heute einziges Spiel bleiben, das über die volle Distanz von fünf Sätzen ging. 

"Ärgere mich über meine schlechte Technik"
Seine Niederlagenserie nimmt Michael Liemann dennoch mit Humor und seine Vereinskameraden motivieren ihn, weiter am Ball zu bleiben. Dennoch "ärgere ich mich über meine schlechte Technik", sagt der 55-Jährige. Auch ans Aufhören hat er schon gedacht. Nicht jedoch aufgrund seiner vielen Niederlagen, sondern weil ihn Schmerzen an den Bandscheiben kürzlich zu einer zehnmonatigen Pause zwangen. Wäre da nicht sein Sohn Henri, der ihn ständig zum Spielen in der eigenen Garage drängt... 

So wird Michael Liemann dem Tischtennissport hoffentlich noch eine Weile erhalten bleiben. Wann er wohl seinen ersten Sieg feiert? Er selbst sagt schmunzelnd: "Nächstes Jahr ganz bestimmt. Die Frage ist nur, welches nächste Jahr damit gemeint ist!"

Sie kennen ähnlich kuriose oder noch kuriosere Fälle, die mit Statistiken zu tun haben? Schreiben Sie uns (gerne mit Einsendung eines entsprechenden Links, wenn vorhanden)!

(DK)

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