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Jans Blog: Maldini kann mit Samsonov nicht mithalten

Zehn Champions League-Titel hat er schon gewonnen: Vladimir Samsonov (©Fabig)

14.04.2014 - Am Freitag ist Dimitrij Ovtcharov zum sechsten Mal in seiner Karriere ins Finale der Champions League eingezogen. Während der Deutsche im Mai den vierten Champions League-Titel gewinnen kann, ist einer seiner Orenburger Mitspieler schon in ganz andere Dimensionen vorgedrungen, denn: Für Vladimir Samsonov wäre es der elfte CL-Titel seiner Karriere. Jan Lüke beleuchtet in seinem Blog die Hintergründe dieses Fabel-Rekords.

"Vladi ist ein Riese, ich bin stolz, mit ihm in einem Team zu spielen!" Kein Geringerer als der aktuell beste europäische Spieler machte am vergangenen Wochenende Vladimir Samsonov seine Aufwartung. Auf seiner Facebook-Seite lobte Dimitrij Ovtcharov den Weißrussen über alle Maße. Und fehl am Platze war diese Lobhudelei wirklich nicht. Denn Ovtcharov hatte Samsonov am vergangenen Wochenende so manches zu verdanken. Um genau zu sein: den Einzug ins Finale der Champions League. Den hatte Samsonov seinem Verein Fakel Gazproma Orenberg am Samstag fast im Alleingang gesichert. Für sein Team steuerte er zwei Siege zur genau richtigen Zeit bei – erst gegen Jun Mizutani zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, dann gegen Alexander Shibaev zum 3:2-Siegpunkt. Samsonov bügelte damit Ovtcharovs Niederlage gegen Shibaev ebenso aus wie die 2:3-Hinspielpleite seiner Orenburger gegen UMMC Verkhnaya Pyshma, die aufgrund des schlechten Satzverhältnisses (19:20 in Addition beider Spielen) aus dem Wettbewerb ausschieden. Samsonov, der mit 3:1 Sätzen gegen Shibaev eine Punktlandung für sein Team hinlegte, sei Dank.

Samsonov kann elften CL-Titel gewinnen
Ovtcharov, Samsonov & Co. spielen nun in den Finalspielen im Mai, in denen Orenburg als turmhoher Favorit den Franzosen aus Pontoise gegenübersteht, um die Krone des europäischen Vereinstischtennis‘. Ein einmaliges Highlight ist das aber schon längst nicht mehr – nicht für Ovtcharov, der in den vergangenen beiden Jahren maßgeblich an den Titelgewinnen seines Vereins beteiligt war, erst recht aber nicht für Samsonov. Der hat dann ein ganz anderes Ziel – nämlich das, an seiner persönlichen Champions-League-Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. Der Weißrusse kann zum elften Mal in seiner Karriere die Champions League (oder wie sie bis 2001 hieß: den Europapokal der Landesmeister) gewinnen. Zum Vergleich: Der Rekordsieger im Fußball ist Italien-Legende Paolo Maldini. Der brachte es in 25 Jahren beim AC Mailand auf im Vergleich zu Samsonov eher bescheidene fünf Gravuren in der Champions-League-Trophäe. Deshalb – und das ohne einen einzigen leisen Zweifel: Samsonov ist ‚Mister Champions League‘! Er scheint einen ganzen Wettbewerb nahezu alleine zu beherrschen. Und dabei nicht unbedingt irgendeinen beliebigen, sondern den vielleicht bedeutendsten im Mannschafts-Tischtennis!

Wie aber kommt es, dass ein einziger Spieler die Champions League zu seinem persönlichen Wohnzimmer hat werden lassen? Warum sammelt ausgerechnet Samsonov Königsklassen-Pokale wie andere Leute Briefmarken? Zufall ist das nämlich keiner, Erklärungen für dieses Champions-League-Gen gibt es durchaus.

Die Gründe für seinen Erfolg
Allen voran: Samsonov scheint sowohl seiner gesamten Karriere als auch jedem einzelnen Auftritt als Vereinsspieler einen großen Stellenwert beizumessen. Das war nicht zuletzt am vergangenen Wochenende gegen UMMC zu bestaunen: Der mittlerweile fast 38-Jährige und nicht selten (wohl auch aufgrund seines verhaltenen Spielstils) auch mal lethargisch wirkende Samsonov kämpfte und pushte sich, wo es nur ging – und gab seinem Spiel damit die manchmal fehlende aggressive Note, die es auf Top-Level braucht. Samsonov scheint in der Königsklasse oftmals die Schippe drauflegen zu können, die sich andere vielleicht für die großen internationalen Turniere aufsparen.

Zudem bewies Samsonov bei der Auswahl seiner Vereine Glück und Geschick: Mit Borussia Düsseldorf (1994-2000; drei Titelgewinne), Royal Villette Charleroi (2000-2008; fünf Titelgewinne) und nun Orenburg (seit 2009; schon zwei Titelgewinne) spielte Samsonov, vielleicht abgesehen von SVS Niederösterreich, bei den dominierenden Klubs Europas in den vergangenen 20 Jahren. Das mag nicht nur, aber auch an Samsonov gelegen haben. Wo sich große Mannschaften gebildet haben, war Samsonov also meist nicht weit. Er war in den letzten 20 Jahren nahezu immer das Gesicht der besten Vereinsmannschaft Europas – und trug seinen wesentlichen Teil dazu bei. Lediglich sein nur einjähriges Gastspiel beim CTM Cajagranada (2008 bis 2009) verbrachte Samsonov nicht bei einem absoluten Topklub. Ansonsten stand er ununterbrochen bei Vereinen auf der Gehaltsliste, deren Anspruch es mit oder auch ohne Samsonov war und ist, in der Champions League um den Titel zu spielen. Kurzum: eine gute Voraussetzung für Titelgewinne.

In Europa von kaum jemandem zu schlagen
Außerdem darf man natürlich eines nicht vergessen: Samsonov ist einer der dominierenden europäischen Athleten der letzten 15 oder gar 20 Jahre. Wenngleich er bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mit großer Regelmäßigkeit gegen die Top-Chinesen baden ging: In Europa machte Samsonov so schnell keiner was vor. Da seine Gegner in der Champions League nahezu ausschließlich aus Europa und wenn nicht, dann zumindest nicht aus der ersten Riege der chinesischen Nationalmannschaft kamen, war Samsonov Zeit seiner internationalen Karriere einer der Topspieler der Champions League.

Das ist er auch heute noch: Im Finale gegen Wang Jian Jun, Kristian Karlsson und Marcos Freitas ist Samsonov alles andere als Außenseiter. Auch seinem Team wird ein Erfolg kaum zu nehmen sein. Womit Samsonov im Übrigen seinen eigenen Nachfolger heranziehen könnte: Dimitrij Ovtcharov steht gegen Pontoise zum sechsten Mal in Folge im Champions-League-Finale und hat ebenfalls bereits drei Titelgewinne gesammelt. Auch er spielte vor seinem Wechsel nach Orenburg im belgischen Charleroi. Sieben Champions-League-Titel ist ihm sein Idol aber noch voraus – und wird dies bis auf Weiteres bleiben. Dafür spielt er schlichtweg in der falschen Mannschaft.

(Jan Lüke)

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