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Daniels EM-Blog: 'Entschlackungskur' tut Turnier gut

Nicht nur Gastgeber Frankreich, meist mit Unterstützung des EM-Maskottchens, musste dank des neuen Gruppenmodus von Anfang an Gas geben (©Gohlke)

07.09.2019 - Bei der letzten Mannschafts-EM, 2017 in Luxemburg, wurde beim ETTU-Kongress beschlossen, künftige Turniere mit nur noch 24 Mannschaften statt 44 (Herren) bzw. 32 (Damen) auszutragen und die Gruppenphase 'umzukrempeln'. Bei früheren Turnieren vor dem Jahr 2015 waren es nämlich sogar noch deutlich mehr als 50 Teams pro Geschlecht gewesen. In seinem Blog blickt Redakteur Daniel auf das Turnier in Nantes und zieht ein eher positives Fazit zur Verkleinerung der EM.

Ein bisschen werde ich sie schon vermissen, die kleinen Nationen. Die EM-Exoten, wie Island oder die Kanalinsel Jersey. Die mit Spielern aus stinknormalen zivilen Berufen bei der EM auflaufen, Akteuren, deren Spielstärke vielleicht gerade einmal mit dem eines deutschen Fünft- oder Sechstligaspielers vergleichbar ist. Dennoch muss ich sagen: Ich bin froh, dass die Anzahl an Mannschaften bei der EM weiter reduziert wurde und hier nur noch jeweils 24 Teams pro Geschlecht starteten. Dadurch wurde hier in Nantes nur noch in einer Halle gespielt und das an gerade einmal vier Tischen, was das Ganze – im positiven Sinne – überschaubar gemacht hat. Zwar wurden die wichtigsten Spiele auch bei vorhergehenden Turnieren größtenteils in der Haupthalle ausgetragen. Ab und an musste man, sei es als Journalist oder Zuschauer, aber dennoch in die oft nicht ganz nahegelegene Nebenhalle wandern. 

Nachteil: Ersatzspieler warten zum Teil vergeblich auf ihren Einsatz
Vor allem aber begrüße ich, dass der Spielmodus etwas umgekrempelt wurde. Denn in der Gruppenphase spielten diesmal nur drei Mannschaften um den Einzug ins Viertelfinale und – von großer Bedeutung – nur der Gruppensieger qualifizierte sich für die Runde der letzten Acht. Bei den letzten Malen waren aus Vierergruppen die Gruppenersten und -zweiten weitergekommen. Ausrutscher durfte sich diesmal also keine Mannschaft erlauben, was auch größtenteils nicht der Fall war. Stattdessen war von Anfang an mehr Feuer drin, Experimente konnten die Trainer bei ihren Aufstellungen so gut wie keine eingehen. Beim deutlich schwächer einzuschätzenden Gegner aus Slowenien gewährte Bundestrainerin Jie Schöpp bei den Damen im ersten Spiel zwar Yuan Wan an Position drei einen Einsatz und verzichtete auf Petrissa Solja und Han Ying. Bundestrainer Jörg Roßkopf konnte sich das bei Vorrundengegnern wie Tschechien und Russland bei den Herren aber nicht erlauben. Hier spielte immer die 'volle Kapelle', d. h. Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska. Als möglicherweise 'Leidtragende' dieses Modus könnten also Ersatzspieler wie Ruwen Filus und Benedikt Duda gesehen werden, die bei diesem Turnier wohl ohne Einsatz bleiben werden.

Muss in jedem Jahr eine EM stattfinden?
Unter dem Strich hat die leichte Veränderung des Spielmodus und die 'Entschlackungskur', die künfig auch bei Weltmeisterschaften vollzogen wird (ab 2022 nur noch 32 Mannschaften pro Geschlecht) für mich jedoch Sinn gemacht. Sie betont, wie schon Dietmar Kramer es vor knapp zwei Jahren in seinem Blog nach Bekanntwerden der Entscheidung geschrieben hatte, den Eventcharakter des Turniers, sie wertet es etwas auf. Dass der Europameisterschaft dadurch größere Aufmerksamkeit der Medien (und tischtennisspielenden Bevölkerung) zuteil wird, kann man wohl – zumindest mit Blick auf Deutschland, wie mein Eindruck ist – nicht sagen. Dafür wären wohl ganz andere Maßnahmen notwendig: Vielleicht z. B. einfach nicht jedes Jahr eine EM auszutragen, damit das Turnier wieder zu etwas Besonderem wird (auch wenn dadurch Einnahmen wegfallen würden)...

(DK)

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