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Alex' Blog: China immer professioneller – keine leichten Gegner mehr

Nur knapp schrammte Alexander Flemming in diesem Jahr am Viertelfinale vorbei (©Matchball TV)

30.01.2018 - Zum fünften Mal nahm Alexander Flemming am Wochenende an der World Championship of Ping Pong im Londoner Alexandra Palace teil. Nach dem Erreichen des Finals 2017 und 2015 sowie des Halbfinals 2016 musste sich der Hilpoltsteiner Zweitligaspieler diesmal 'schon' im Achtelfinale aus dem Turnier verabschieden. Warum es trotzdem keinen Grund gibt, sich zu beschweren, und wie er die Entwicklung des Sports sieht, beschreibt der 30-Jährige in seinem Blog.

Zum fünften Mal in Folge war ich am vergangenen Wochenende Teil der World Championship of Ping Pong. Zwar hat es mit dem Wunsch, noch einmal das Halbfinale zu erreichen, und erst recht mit dem Traum, den Pott nach Deutschland zu holen, nicht geklappt. Doch Grund, unzufrieden zu sein, gibt es dabei nicht. An manchen Wochenenden soll es eben einfach nicht sein.

Seit Wochen hatte ich mich neben dem normalen Trainingsalltag auf die WM vorbereitet. Viel Ausdauer- und Krafttraining waren die Konsequenz aus der Tatsache, dass im Vorjahr meine Fitness nicht gereicht hatte, um im Finale physisch und psychisch voll da zu sein. Für die besondere clickballspezifische Vorbereitung hatte ich den englischen Riesen Chris Doran für fünf Tage in Leipzig zu Gast. Insbesondere hoffte ich, von seiner starken Rückhand zu profitieren und meine eigene Schwäche auf dieser Seite abzustellen. Nach meiner Ankunft am Donnerstag war ich aber – schon fast traditionell – kurz vor Turnierbeginn außer Form. In fünf Matches gegen andere WM-Teilnehmer wie Vlad Kutsenko aus Russland oder den Spanier Marc Duran konnte ich keines für mich entscheiden – beste Voraussetzungen!

China immer professioneller
Bereits der Blick auf die Auslosung verriet, wohin die Entwicklung des Clickballs geht: Elf Teilnehmer aus dem Reich der Mitte, davon hatten sich vier über das Last-Chance-Turnier am Donnerstag qualifiziert. Über diesen Weg löste übrigens auch Robert Janke sein Ticket für den Ally Pally und war somit neben Genia Milchin, Dwain Schwarzer und mir der vierte deutsche Teilnehmer. China stellt sich im Ping Pong immer professioneller, Quantität und Qualität der Spieler steigen. Die Ausrichtung des World Ping Pong Cups im vergangenen November mit ähnlicher Dotierung wie bei der WM zeigt, dass dort Pläne nicht nur geschmiedet, sondern auch rasch umgesetzt werden können. Doch auch Deutschland zeigte sich präsent: Die WM kam nun auch hier an, sie wurde vom Anbieter DAZN übertragen. Darüber hinaus war die Unterstützung vor Ort so groß wie nie. Die deutsche Gruppe um Cheforganisator und Clickballpionier Jürgen Leu umfasste 30 Personen, die aber akustisch gesehen wohl 50 % der 2000 Zuschauer am Sonntag ausmachten. Grund hierfür war auch das Gerücht, dass es womöglich die letzte WM auf europäischem Boden sein könnte. Zwar wurde nun die Durchführung des Turniers aufgrund eines neuen Vertrags zwischen Matchroom Sports und Sky für sieben Jahre verlängert, doch wurde darin noch nicht der Austragungsort fixiert. Der Aufbau des Turniers und der Arena veränderte sich diesmal zum ersten Mal nicht. Das war für die Medienperfektionisten von Matchroom wohl sogar ein positives Zeichen der Zufriedenheit. Auch im deutschen Team zeigten sich mediale Fortschritte, denn Matchball TV war das ganze Wochenende mit uns unterwegs – eine echte Bereicherung, nicht nur wegen der Aufnahmen!

Insbesondere hat sich auch sportlich in den letzten Jahren viel getan. Konnte man vor einigen Jahren als gesetzter Spieler noch durch die Gruppenphase spazieren, gibt es nun keinen leichten Gegner mehr. Jeder Spieler ist bestens vorbereitet. Als Kopf von Gruppe B musste ich bereits im zweiten Spiel gegen Wang Shi Bo an den Tisch und konnte mit einem 2:0 erfolgreich in die Runde der letzten 32 einziehen. Dass Wang danach kein Spiel mehr verlieren würde und ich mir damit bereits den Titel des Weltmeisterbesiegers sicherte, ahnte niemand mehr. Dass die Vorrunde mit dem doppelten KO-System jedem schnell zum Verhängnis werden kann, bekam beispielsweise Oriol Monzo, 2017 noch im Viertelfinale, zu spüren. Nach der Vorrunde erfolgte die Auslosung ohne Berücksichtigung der Setzliste, was das Feld weiter auf gut Glück durcheinanderwirbelte. Dwain und Genia erreichten neben mir die Runde der letzten 32 – ein tolles Ergebnis, das zeigt, dass Deutschland Anschluss an die Weltspitze hat. Auch Robert Janke konnte in der Gruppenphase einen Sieg erringen und war bei seinen Niederlagen keineswegs chancenlos.

Keinen Grund, sich zu beschweren
Nachdem ich noch Javier Benito bezwingen konnte, fiel ich in der Runde der letzten 16 dem erfahrenen Huang Jungang zum Opfer. Seine gefährlichen Aufschläge ließen mir im ersten Satz keine Chance. Kleine taktische Umstellungen im Rückspielbereich halfen mir bis in den Entscheidungssatz. Dort lief nicht viel, wie es sollte. Zwei Kantenbälle feinster Qualität zu Beginn waren ein erster Nadelstich. Nach einer Aufholjagd hatte ich das Erreichen des Viertelfinals bei 14:13 selbst in der Hand und vergab einen Ball, der zum Einlochen geradezu perfekt war. Das leichte Wegrutschen mit dem rechten Fuß auf dem schweißgetränkten Boden und die dadurch fehlende Balance beim Sudden-Death-Point ließen meinen letzten Vorhandball ins Aus segeln und besiegelten mein Turnier-Aus. Eine bittere Pille gegen den späteren Finalisten Huang. Jahrelang lief vieles in den engen Spielen für mich – somit gibt es nüchtern betrachtet überhaupt keinen Grund, sich zu beschweren. Zwar hat es nicht bis nach ganz vorn gereicht, aber gezeigt, dass jeder Spieler schlagbar ist. Egal, wie es sich weiterentwickelt, ich werde am Ball bleiben und mir Jahr für Jahr sehr gern die Finger am Sandpapier wund reiben.

Zu einer kleinen Bildergalerie

(Alexander Flemming)

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