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Jans Blog: DTTB-Herren überlassen nichts dem Zufall

Diesmal wollen die deutschen Herren nicht als Verlierer aus der Halle gehen (©Stosik)

11.09.2017 - Sind Sie bereit für das nächste Großevent? Ab Mittwoch treten Deutschlands Mannschaften bei der Team-EM in Luxemburg an die Tische und versuchen, ihren Titel zu verteidigen, bzw. zurückzuerobern. Unser freier Redakteur Jan Lüke schaut sich in seinem Blog die Lage der deutschen Herren an, die für diese Europameisterschaften nichts dem Zufall überlassen und ihre nahezu beste Delegation nach Luxemburg schicken.

Übermorgen ist es wieder so weit. Die Europameisterschaften beginnen. An fünf Wettkampftagen im National Sports & Culture Center d'Coque in Luxemburg werden bis Sonntag frische EM-Titel ausgespielt. Nur in den Mannschaftswettbewerben wohlgemerkt. Man kann da ja leicht durcheinanderkommen: Denn bei den letzten vier Europameisterschaften wurden viermal jeweils andere Wettbewerbe ausgetragen. Wer noch nach einem Beispiel dafür gesucht hatte, dass die kontinentalen Vergleichskämpfe in zu großer Häufigkeit stattfinden – die EM nur drei Monate nach der WM in Düsseldorf eignet sich zumindest dafür hervorragend. 

Auch Probierstube für Youngster wäre möglich gewesen

Nun ist die berechtigte Kritik am Tischtennis-Jahreskalender und an der ETTU das eine. Das andere aber ist es, die Gegebenheit so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind, und aus sportlicher Perspektive damit bestmöglich umzugehen. Vor allem für die deutsche Nationalmannschaft der Männer ist die anstehende EM ein interessanter Wettkampf.

Auf der einen Seite hätte der Verband gute Gründe vorbringen können, die Europameisterschaften niedriger zu priorisieren. Der gesamte A-Kader ist stark belastet, vor allem wegen der intensiven Vorbereitung auf die Heim-WM in einer Saison, die gewissermaßen schon mit den Olympischen Spielen im Sommer 2016 begonnen hatte. Bundestrainer Jörg Roßkopf hat selbst mehrfach beteuert, dass das Wettkampfjahr seinen Spielern zu wenig Zeit böte, in der sie sich sportlich weiterentwickeln können. Kaum ein deutscher Athlet aus der ersten Garde des Nationalkaders ist in den vergangenen Monaten ohne Verletzungen geblieben. Zudem ist der DTTB in einer Position, in der er sich nicht unbedingt beweisen müsste. Die Deutschen gelten weiterhin als das Nonplusultra im europäischen Herren-Tischtennis. Sie stellen mit Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll die beiden besten Spieler des Kontinents und haben auch darauf folgend den breitesten Kader aller Nationen. Anstatt erprobtes und bewährtes Personal zur EM zu schicken, hätte der DTTB das Turnier auch zu einer Probierstube für seinen Nachwuchs machen können. Für Benedikt Duda oder Dang Qiu, für Kilian Ort oder gar für die U18-Europameister Gerrit Engemann oder Tobias Hippler. Das wäre keine despektierliche Entscheidung gewesen, mit der man das Turnier kleiner macht, als es ohnehin schon geworden ist. Man hätte sie vielmehr gut rechtfertigen können. Zumal es gerade diese Akteure aus der zweiten Reihe sind, die das Team werden tragen müssen, wenn die Ära um Boll und Bastian Steger zu Ende gehen wird. 

Favorit und Herausforderer zugleich

Dass der DTTB sich trotzdem für das genaue Gegenteil entschieden hat und seinen nahezu besten Kader nach Luxemburg schickt, hat wohl auch mit seinen Ergebnissen der letzten Europameisterschaften zu tun. Denn Deutschlands Herren verpassten jüngst zweimal den EM-Titel, den alle von ihnen erwartet hatten – am allermeisten vermutlich die Spieler selbst. 2014 in Lissabon gegen Gastgeber Portugal und 2015 in Jekaterinburg gegen Österreich setzte es jeweils Finalniederlagen. Zwar hatten die DTTB-Herren in beiden Turnieren nicht ihre beste Besetzung aufbieten können und mit Verletzungen zu kämpfen, trotzdem waren beide Niederlagen vermeidbar gewesen – und deshalb umso schmerzhafter. Die Rolle der deutschen Auswahl in Luxemburg ist dementsprechend zweischneidig: Deutschland ist klarer Favorit, aber gleichzeitig auch Herausforderer. So oder so werden sich die deutschen Herren in der Bringschuld sehen, ihren Nummer-eins-Status im europäischen Tischtennis zu stützen. Die Europameisterschaften mögen an Prestige und Bedeutung im Wettkampfjahr verloren haben. Niederlagen macht das aber nicht weniger angenehm.

(Jan Lüke)

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