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Schorse aus’m Shop: Massive Lieferkettenprobleme

Inzwischen sind auch Hölzer, Beläge, Schuhe etc. kaum ohne Lieferzögerungen zu bekommen (©Laven)

17.10.2022 - Seit über zweieinhalb Jahren ist die Corona-Pandemie mal mehr, mal weniger Thema. Definitiv hat sie nach wie vor noch Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft, vor allem, wenn es um verzögerte Lieferketten geht. Davon kann leider auch die Tischtennis-Industrie ein Lied singen, wie unser Blogger Schorse aus'm Shop in dieser Ausgabe lebhaft berichtet.

Hallo liebe Tischtennis-Freunde,

wie wohl fast alle Tischtennis-Händler und -Hersteller verwaltet auch euer Schorse aus´m Shop momentan vor allem den Mangel. Tische waren schon in früheren Phasen der Pandemie nur schwierig oder mit langen Wartezeiten zu bekommen, nun betrifft das immer mehr auch Hölzer, Beläge, Bälle, Schuhe, Textilien etc. Bei einigen Artikeln geht es um wenige Tage oder Wochen Lieferverzögerung, andere sind schon jetzt erst für November oder Dezember angekündigt – ohne Gewähr, dass die dann auch wirklich eintreffen.

In der DDR haben die Menschen früher teilweise bis zu 15 Jahre auf Telefonanschluss oder Trabbi gewartet, oft dann auch noch vergeblich. Ganz so extrem ist es zwar bei uns momentan nicht, aber manchmal fühlt es sich doch ein bisschen so an, als müsse man den Kunden ähnliche Wartezeiten vermitteln. Vor allem da – natürlich auch durchaus verständlich – die Geduld bei einigen Spielern angesichts der ersten Spiele deutlich weniger ausgeprägt ist. Oder noch schlimmer: Die ersten Partien gingen schon verloren und die nächsten stehen auf dem Programm...

Nur teilweise Verständnis
Wie erholsam ist es doch, wenn der Kunde selbst in einer der vielen Branchen arbeitet, in denen Lieferverzögerungen, Preissteigerungen und lange Wartezeiten momentan die Regel sind. Oder wenn er zum Beispiel in letzter Zeit versucht hat, ein Fahrrad zu kaufen. Ein "Zwei Wochen Wartezeit? Das ist ja wenig, da hatte ich viel mehr erwartet" als Reaktion frustriert auch den Händler deutlich weniger als der gefühlte Weltuntergang bei anderen, die kurz vor dem ersten Punktspiel nun von Lieferproblemen überrascht sind. Andere wittern ihre Chance und versuchen, ihre ohnehin schon ordentlichen Rabatte (in welcher Branche gibt es das in dem Maße eigentlich wie im Tischtennis-Handel?) noch weiter zu drücken. "Wenn unsere Nummer sechs ihr 5XL-Trikot erst mitten in der Hinrunde bekommt, muss das doch viel günstiger werden", finden dann Kunden, die kürzlich für Sonneblumenöl noch den doppelten Preis bezahlt haben, weil das ja knapp ist. Solche Versuche sind zwar nachvollziehbar, aber schwierig zu erfüllen in einer Branche, über deren Gewinnspanne für den kleinen Einzelhändler sich viele andere Händler totlachen würden. "Wie niedlich", meinte mal ein Baustoffhändler, als ich ihm im Vertrauen eine ungefähre Andeutung darüber gab.

Weniger nachvollziehbar erscheint die völlige Überraschung einiger Kunden, dass auch im Tischtennisbereich viele Dinge momentan nicht so lieferbar sind wie gewohnt. Ich dachte, die Lieferketten-Probleme seien mittlerweile bei jedem irgendwo mal angekommen?!

Erst ausbleibende Nachfrage, dann fehlende Ware
Wie Ihr vielleicht am etwas ernsteren Grundton meines heutigen Blogs als sonst herauslesen könnt, belastet das nicht nur die Kunden, sondern auch die Händler. Spaß macht die Arbeit so aktuell nur begrenzt. Andauernd Kunden enttäuschen zu müssen, ist frustrierend. Frustrierend ist auch, dass nach zwei Jahren extremer Umsatzrückgänge wegen Einschränkungen von Training und Spielbetrieb nun zwar wieder Nachfrage da ist, diese aber wegen fehlender Ware teilweise nicht bedient werden kann.

Aber immerhin bringt die Situation doch auch wieder interessante Situationen hervor. "Ich kann nur mit Belägen der Firma A spielen", meinte neulich ein Kunde zu mir, dem ich für sein aktuell nicht lieferbares Material eine Alternative von Marke B vorgeschlagen hatte. Spannend: Von Firma A kamen für ihn quasi alle Beläge in Frage: der in Japan produzierte unkatapultige harte Klassiker-Belag genauso wie der in Deutschland hergestellte super-softe mit ordentlich Frischklebe-Effekt, den er bislang erfolgreich gespielt hat. Ein Belag von Firma B dagegen könne bei ihm nicht funktionieren, war sich der Kunde sicher. Auch nicht der, der in der gleichen Fabrik mit der gleichen Technologie produziert wird wie sein bisheriger?!

Hat ein bisschen was von: "Smart oder 40-Tonner - Hauptsache Mercedes...".

Aber gut, der Kopf ist im Tischtennis entscheidend, da nehme ich mich selbst nicht aus. Auch ich habe bestimmt die ein oder andere Eigenheit, die jeder Nicht-Tischtennisspieler wohl – nicht zu Unrecht – als "Macke" bezeichnen würde. Man zeige mir den Spieler, der so etwas nicht hat...

In diesem Sinne, auf bessere Zeiten!

Zur ersten Folge von Schorses Blog!
Zur zweiten Folge von Schorses Blog!

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