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Amateur-Thema: Die erste Saison mit dem Plastikball

Die erste Saison nach Einführung des Plastikballs ist so gut wie rum (©Fabig)

02.06.2015 - Der Aufschrei in der Tischtennis-Szene war groß, als die Einführung des Plastikballs zur Saison 2014/2015 bekanntgegeben wurde. Wie stark sind die unteren Spielklassen in der ersten Saison nun tatsächlich mit dem neuen Ball in Berührung gekommen? Stephan Hartung (MTV Engelbostel), Ralf Brameier (TuS Hiltrup) und WTTV-Geschäftsführer Michael Keil gaben uns Ihre Einschätzung darüber ab!

Stephan Hartung, der Jugendleiter des niedersächsischen Klubs MTV Engelsbostel, berichtet: "Wir haben bei uns im Verein die Punktspiele durchgehend mit Zelluloid fortgesetzt. Vorwiegend aus dem Grund, dass der Bestand an Bällen viel zu groß war, um alle wegzuwerfen." Mit dem Plastikball in Berührung gekommen seien aber zumindest die jungen Spielerinnen des Vereins, nämlich bei Landes- oder den Deutschen Meisterschaften. "Diese Mädchen haben dann in den Einheiten vorab nur noch mit Plastikbällen trainiert." Die Rückmeldung der Engelsbosteler Spielerinnen: "Man merkt kaum einen Unterschied. Weder im Training noch im Wettkampf mit Plastik, noch, wenn man dann wieder mit Zelluloid spielt."

Ralf Brameier, der Sportliche Leiter des TuS Hiltrup, erklärt: "All unsere Mannschaften spielen mit dem Zelluloidball. Selbst in allen Partien in der Damen-Oberliga West wurde mit dem Zelluloidball gespielt, ebenso bei Veranstaltungen auf Kreis- und Bezirksebene. Lediglich bei Turnieren auf westdeutscher Ebene war der Plastikball vorgeschrieben." Der Verein habe sich sogar noch einmal mit Zelluloidbällen eingedeckt, "angesichts der Preisgestaltung bei den Plastikbällen sehen wir keine Veranlassung umzuschwenken. Es gibt bei den Plastikbällen ja auch nur Drei-Sterne-Bälle. Die kann sich doch kein Verein für den Trainingsbetrieb leisten", sagt Brameier. Dennoch habe man auch einige wenige Plastikbälle gekauft und in den Trainingsbetrieb eingestreut. "Das hat vom spielerischen Aspekt keiner gemerkt." Insgesamt, so meint Brameier, sei die Einführung misslungen. Als einen Beleg dafür nennt er die Qualität der Bälle und gibt ein Beispiel von den Deutschen Pokalmeisterschaften für Verbandsklassen in Gütersloh, die vor wenigen Wochen stattfanden. Dort sollen über 1.000 Bälle in knapp 500 Einzeln kaputtgegangen sein und vor Ort habe man noch für Nachschub sorgen müssen (zu diesen Zahlen liegt uns vom Veranstalter bisher keine offizielle Bestätigung vor, Anm. d. Red.).

Michael Keil, der Geschäftsführer des Westdeutschen Tischtennisverbands (WTTV), gibt uns die Einschätzung: "Ich gehe davon aus, dass die wenigsten Vereine umgestellt und sich stattdessen noch einmal mit Zelluloidbällen eingedeckt haben, da die Einführung des Plastikballs doch eher schleppend verlief und die Vereine in vielen Fällen Mannschaften in Spielklassen haben, in denen sie eher selten auf den Plastikball treffen. In manchen Fällen ist es aber auch vorgekommen, dass eine Mannschaft von einem zum anderen Spieltag von Zelluloid auf Plastik oder umgekehrt umgestiegen ist." Vereine, deren (Nachwuchs-)Spieler regelmäßig zu Turnieren fahren würden, hätten da wahrscheinlich eher geschaut, dass der Plastikball zumindest in den Trainingsbetrieb integriert wurde – damit diese Spieler auf den Plastikball eingestellt sind, weil der auch auf Kreis- oder Bezirksebene zum Einsatz kommen kann. "Insgesamt wird die Entwicklung wohl dahin gehen, dass der Markt im Laufe der Jahre weniger Zelluloidbälle anbieten wird, weil es sich die Hersteller natürlich gut überlegen, ob sie die kostspielige Zulassungsgenehmigung beantragen wollen und die Produktion damit auslaufen wird", denkt Keil. 

Zur Info: Für die Saison 2015/2016 wurden vom DTTB die gleichen Beschlüsse für den Einsatz des Plastikballs getroffen, wie sie auch schon zur Saison 2014/2015 galten. Demnach kommt der Plastikball bei Individual- und Mannschaftswettbewerben auf Bundesebene (inkl. der Qualifikationsveranstaltungen der Regionen 6-8) sowohl im Nachwuchs- als auch im Erwachsenen- und Seniorenbereich zum Einsatz. Für die höchsten fünf Spielklassen wurde wieder eine Empfehlung für den Einsatz des Plastikballs ausgesprochen. Den Landesverbänden ist es nach wie vor selbst überlassen, ob sie eine solche Empfehlung aussprechen wollen, gleiches gilt für den Individualspielbetrieb auf Verbandsebene: Hier können die Verbände weiterhin selbst entscheiden, welche Bälle zum Einsatz kommen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Sind Sie häufig oder eher selten mit dem Plastikball in Berührung gekommen? 

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(DK)

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