„Unangemessener Kontakt“: Aus für Taiwan ohne Cheng

    Die sechstbeste Tischtennismannschaft der Damen, Taiwan, ist bereits im Achtelfinale der WM in London ausgeschieden. Allerdings musste sie auf ihre Spitzenspielerin Cheng I-Ching verzichten, die laut taiwanischen Medien womöglich Opfer einer Belästigung wurde.

    Cheng I-Ching ist zwar Teil des taiwanischen WM-Teams, trat aber nicht an (©ITTF)

    Wer die Spiele der taiwanischen Damenmannschaft bei der Team-WM in London verfolgt hat, wird ein bekanntes Gesicht vermisst haben. Cheng I-Ching, aktuell die Nummer 21 der Welt und bereits bei 19 Weltmeisterschaften für Taiwan am Start gewesen, bestritt von der Vorrunde 1A, in der die besten Mannschaften des Turniers am Wochenende zur Ermittlung der Setzung antraten, bis zum Achtelfinale am Mittwoch kein Match für ihre Heimat. Parallel veröffentlichte der taiwanische Tischtennis-Verband auf seiner Webseite eine Erklärung, in der von einer mutmaßlichen Belästigung durch das Sicherheitspersonal der Team-WM die Rede ist. Man habe diesen Vorfall sofort den Organisatoren gemeldet. Auch die ITTF veröffentlichte am Samstag eine Mitteilung über einen „unangemessenen physischen Kontakt“ während eines Sicherheitschecks am Eingang, in der sie ihre tiefe Beunruhigung über diesen Fall beschreibt: „Jeder Athlet verdient es, sich jederzeit und in allen Räumen sicher, respektiert und geschützt zu fühlen. Was beschrieben wurde, ist völlig inakzeptabel. Wir wollen absolut klar sein: Die Sicherheit und Würde unserer Athleten sind nicht verhandelbar.“

    Zwar wird in beiden Mitteilungen kein Name genannt. Laut taiwanischen Berichten soll es sich bei dem Opfer aber um die Spitzenspielerin Cheng I-Ching handeln, die diese Darstellung durch einen Social-Media-Post untermauerte. Darin beschreibt sie den enormen psychischen und mentalen Druck, der auf Sportlerinnen laste, und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen unfairer Behandlung. Dies seien nicht nur ihre eigenen Erfahrungen. „Deshalb habe ich mich entschlossen, dieses Mal aufzustehen, um mich für alle Athletinnen einzusetzen“, schreibt Cheng in ihrem Post. „Sport erfordert Gleichheit - und noch wichtiger - den vollen Schutz der Menschenrechte. Gleichheit ist nicht optional, Menschenrechte sind nicht verhandelbar.“ Wie die ITTF berichtet, laufe eine umfassende Untersuchung des Vorfalls.

    Die taiwanische Mannschaft erreichte auch ohne ihre Spitzenspielerin das Achtelfinale, wenn auch mit Mühe. Die Vorrundengruppe hatte man hinter China und Rumänien auf dem dritten Platz beendet, die Runde der besten 32 gegen Puerto Rico ging mit 3:2 knapp an Taiwan. Auch im Achtelfinale gegen Hongkong ging das Team über die volle Distanz, zog diesmal jedoch den Kürzeren. Das Turnier ist damit für Taiwan beendet und Hongkong wird womöglich der Viertelfinalgegner der deutschen Damen sein, falls diese am Abend (20:30 Uhr deutscher Zeit) ihr Achtelfinalmatch gegen Nordkorea gewinnen.

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