Aus der Box: Mehr Verständnis für die Spieler, bitte!

    In der Kolumne „Aus der Box“ des Magazins tischtennis kommentiert Nationalspieler Ricardo Walther in der Juli-Ausgabe die Teilnahme vieler Stars an den TT-Finals in Erfurt. Für ihn eher die Ausnahme als die Regel.

    In diesem Jahr standen mit Patrick Franziska und Dang Qiu zwei absolute Topspieler im Finale (©Gohlke)

    Für mich waren die TT-Finals in Erfurt dieses Jahr wie ein kleines Sommermärchen: Nach langer Zeit haben diesmal wieder so gut wie alle Topspieler teilgenommen.Natürlich wünsche ich mir jedes Jahr so gut besetzte deutsche Meisterschaften. Aber alle Stars zu den Deutschen zu bekommen, ist schwierig – und ein Riesen-Thema in Tischtennis-Deutschland. Viele meckern, dass die Topspieler in der Regel eh nicht spielen. Ich kann zwar verstehen, dass die Zuschauer sich die Teilnahme der Besten wünschen. Mir fehlt dabei aber das Verständnis für die Spieler.

    Der Kalender ist für uns Profis immer voller geworden. Früher gab es nicht so viele Events, die um die deutschen Meisterschaften herum lagen. Mittlerweile gibt es etliche Turniere und Highlights im Jahr – WTT-Turniere, EM und WM, Final Four in TTBL und Champions League. Da muss man sich als Profi zweimal überlegen, ob man zu den TT-Finals fährt. Gerade für Topspieler ist es bei diesem Kalender schwierig, bei Kräften zu bleiben. Denn es will ja auch niemand zu den TT-Finals fahren, um übermüdet in der ersten Runde zu verlieren.

    In diesem Jahr hat viel gepasst. Keiner war verletzt, fast niemand hatte andere Verpflichtungen. Die Terminfrage stellt sich allerdings jedes Jahr aufs Neue. Und man kann sich schon darauf einstellen, dass die Finals im kommenden Jahr wohl weniger gut besetzt sein werden. Man kann schon an einer Hand abzählen, wer voraussichtlich fehlen wird: Das Final Four der Champions League findet gleichzeitig mit den TT-Finals statt. Es ist wahrscheinlich, dass Patrick Franziska und Dang Qiu dort mit ihren Klubs vertreten sein werden. Im übernächsten Jahr sind die Olympischen Spiele. Die besten Spielerinnen und Spieler werden versuchen, in L.A. dabei zu sein. In dem Jahr wird sich die gesamte Vorbereitung darauf richten. Jede Teilnahme an einem Turnier wird doppelt überdacht, um sich optimal vorzubereiten. Auch da kann man damit rechnen, dass einige nicht zu den TT-Finals kommen werden.

    Wir hatten dieses Jahr ein tolles Event in Erfurt, aber mittlerweile umfasst die Veranstaltung vier Tage. Da bleibt die Frage: Wonach sollte man sich richten, wenn man einen Termin sucht? Einigt man sich mit den Topspielern auf einen Termin, an dem alle auf jeden Fall Zeit haben, und der Rest in Deutschland muss sich danach richten? Oder sucht man einen Termin, der für die Leistungs- und Seniorenklassen perfekt passt, aber wahrscheinlich schwierig ist für die Topspieler? Das sind organisatorische Themen, bei denen am Ende jedoch wir Spieler die Kritik abbekommen. Da müsste man sich mehr in unsere Lage versetzen und sich unseren Terminkalender genauer angucken. Die Kritik von außen ist oft zu einfach gedacht. Klar, wir sind Profis, aber wir sind keine Maschinen. Und wenn jemand wirklich oft bei den deutschen Meisterschaften teilgenommen hat, vielleicht sogar drei-, viermal gewonnen hat und sich dann entschließt, anderen Turnieren oder der Vorbereitung auf eine WM oder Olympia den Vorzug zu geben – dann wünsche ich mir dafür mehr Verständnis.

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    (Ricardo Walther)

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