Fabians Blog: Wenn der Weg zur Halle zum Streitfall wird

Im Umgang mit Spiellokalen hat myTischtennis.de-Redakteur Fabian Kleintges-Topoll in seiner Laufbahn schon einiges erlebt – und stößt nun auch auf einen außergewöhnlichen Fall aus der Pfalz.

Wenn man einmal in der Halle steht, die Gegner begrüßt hat, sich einspielt, um Punkte kämpft und sich nach dem Punktspiel gemeinsam beim Kaltgetränk austauscht, läuft alles ganz normal. Voraussetzung für einen solchen Spieltag ist allerdings: Man findet die Halle.
Gerade mein einjähriger Ausflug nach Düsseldorf in der vergangenen Saison zeigte mir, wie kompliziert das sein kann. Trotz click-TT-Adresse war die Suche bei Dunkelheit und wenig Ortskenntnis unter der Woche oft mühsam: mehrere Eingänge, unübersichtliche Schulhöfe, schwierige Parkplatzsituationen. Ein weiteres Erlebnis stammt aus Kevelaer vor einem meiner ersten Herrenspiele, wo wir zunächst vor dem falschen Spiellokal standen – zum Glück bemerkten wir rechtzeitig den Fehler, machten uns auf den Weg und waren quasi pünktlich in der richtigen Halle.
Dass das Thema Spiellokal weit über eine nervige Anreise hinausgehen kann, zeigte jüngst ein außergewöhnlicher Fall aus der Pfalz, der sogar den Spruchausschuss des PTTV beschäftigte. Der Verband schickte dazu eine Rundmail mit dem neuen Urteil.
Kurioser Fall in der Pfalz
Der TTC Klingenmünster hatte vor Saisonbeginn ordnungsgemäß die Klingbachhalle als primäres Spiellokal gemeldet und zudem zwei Ausweichhallen in click-TT hinterlegt. Als am 6. September 2025 das Bezirksoberliga-Spiel gegen den TSV Speyer anstand, kam es jedoch zur Kettenreaktion: Die Stammhalle war bereits seit Längerem für eine außersportliche Veranstaltung vergeben, die beiden Alternativen am Spieltag ebenfalls belegt. Für den Gastgeber blieb nur der Umzug in die Halle des TTC Herxheim.
Der Gegner wurde kurzfristig telefonisch informiert, erhob keinerlei Einwände und trat vollzählig im neuen Spiellokal an. Sportlich verlief die Partie ohne Zwischenfälle, Klingenmünster verlor das Spiel mit 4:9. Brisant wurde es erst im Nachgang: Der Bezirk wertete die Partie mit 0:9 gegen den TTC Klingenmünster, da die Hallenverlegung nicht formgerecht über click-TT gemeldet worden war. Eine WhatsApp-Nachricht in einer vereinsinternen Gruppe – nachts um 1.55 Uhr – reichte aus Sicht des Spielleiters nicht aus.
Klingenmünster legte Einspruch ein und bekam Recht. Der Spruchausschuss stellte klar, dass zwar ein formaler Verstoß gegen die Meldepflicht vorlag, dieser jedoch keine Niederlagenwertung rechtfertige. Ausschlaggebend war vor allem, dass die Wertungsordnung die Fälle, in denen ein Spiel umgewertet werden darf, abschließend aufzählt – eine fehlerhafte Spiellokal-Meldung gehört nicht dazu. Zudem habe der Gegner keinen sportlichen Nachteil erlitten, da er informiert war und regulär antrat.
Das Regelwerk im Kopf haben
Besonders deutlich fiel die Kritik an der Regelung selbst aus: Die beanstandete Vorschrift stehe im Widerspruch zu anderen Teilen der Wettspielordnung und sei systematisch unglücklich platziert. Unklarheiten müssten grundsätzlich zulasten des Regelgebers ausgelegt werden. Das „schärfste Schwert“ – eine Niederlagenwertung – sei hier unverhältnismäßig. Entsprechend wurde das Spiel mit dem tatsächlich erspielten Ergebnis gewertet, die Verfahrenskosten trug der Verband.
Der Fall Klingenmünster zeigt damit eindrucksvoll, wie schnell organisatorische Details eine sportliche Dimension bekommen können – und dass im Zweifel nicht nur der Weg zur Halle, sondern auch der durch das Regelwerk gut vorbereitet sein sollte. Am Ende zeigt sich immer wieder: Ein Tischtennisspiel beginnt nicht erst mit dem ersten Aufschlag, sondern oft schon mit der Suche nach der richtigen Halle – und manchmal entscheidet genau dieser Weg darüber, wie ein Spiel in Erinnerung bleibt.
Was sind eure verrücktesten Hallenerlebnisse? Berichtet darüber gerne in der Kommentarspalte.
5 Kommentare
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