Fabians Abschiedsblog: Vom „Corona“-Volontär zum WM-Reporter

Nach sechs Jahren und acht Monaten endet am 31. Mai die Arbeitszeit von Redakteur Fabian Kleintges-Topoll bei der myTischtennis GmbH in Düsseldorf. In seinem letzten Blog blickt der 30-Jährige auf seine schönsten Erfahrungen zurück.

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten selbst veröffentlichten Artikel auf myTischtennis.de, als die damals elfjährige Ägypterin Hana Goda Liverpools Fußballstar Mohamed Salah zu einem Tischtennisduell herausforderte. Damals, im Oktober 2019, hätte ich niemals gedacht, wohin mich diese Reise einmal führen würde. Jetzt, fast sieben Jahre später, bin ich bereit für eine neue Herausforderung. Für mich Grund genug, einmal auf die größten persönlichen Highlights als Tischtennis-Journalist zurückzuschauen.
Angefangen hat alles mit meinem zweijährigen Volontariat. Ich war noch gar nicht richtig in meiner neuen Heimatstadt Düsseldorf angekommen, wo ich bis April 2025 lebte, als sich nur wenige Monate später durch die Pandemie plötzlich alles änderte. Der Sport stand still, Hallen blieben leer, Turniere wurden abgesagt und auch im Redaktionsalltag drehte sich nahezu alles um Corona und die Frage, wie der Tischtennissport – von der Weltelite bis zum kleinen Dorfverein – durch diese schwierige Zeit kommt.
Viel Homeoffice, viele Videokonferenzen und eine Themenlage, die sich gefühlt täglich verschob. Gleichzeitig waren diese Jahre aber auch prägend. So durfte ich beim Volontärskurs in Hamm wichtiges journalistisches Handwerkszeug lernen, auf das ich bis heute zurückgreife.
Highlight Wüsten-WM: 13 große Events
Gerade die Nähe zu Borussia Düsseldorf, zum DTTB und zu großen Veranstaltungen sorgte dafür, dass ich viele besondere Momente hautnah erleben konnte. Einer der eindrucksvollsten war sicher mein allererstes Event: das Champions-League-Turnier in der „Corona-Bubble“ im DTTZ Mitte Dezember 2020. Keine Zuschauer, strenge Hygieneregeln, tägliche Tests – und trotzdem hochklassiger Sport mitten in einer surrealen Zeit.
Knapp dreieinhalb Jahre später führte es mich dann zum ersten Champions-League-Final-Four nach Saarbrücken. Dazwischen lagen unzählige weitere Turniere und Reisen: Deutsche Meisterschaften in Bremen (2021), Saarbrücken (2022) und die TT-Finals-Premiere in Erfurt (2024), Europameisterschaften in Cluj-Napoca (2021), München (2022), Malmö (2023) und Linz (2024) sowie schließlich sogar mein bisher längster Flug zur WM 2025 nach Doha in Katar.
Dazu kamen viele WTT-Events, etwa das erste Champions in Deutschland in Frankfurt 2023, bei dem ich den G.O.A.T. Ma Long erstmals live spielen sehen durfte, diverse Feeder und das Olympia-Vorbereitungsturnier 2024 in Düsseldorf oder auch das Youth Contender in Berlin (2023), bei dem Nachwuchstalente wie Koharu Itagaki oder Josephina Neumann bereits auf sich aufmerksam machten. Den Event-Abschluss bildeten die FISU World University Games 2025 in Essen.
Nervosität vor Roßkopf und Waldner – junge Kaufmann weinte vor Glück
Olympische Spiele und Paralympics habe ich zwar nie live vor Ort gesehen, trotzdem war es eine große Ehre, sich vor dem PC-Bildschirm mit dem größten Turnier eines jeden Sportlers beschäftigen zu dürfen. Besonders hängen geblieben sind dabei die Gespräche mit Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov oder auch Félix Lebrun. Überhaupt waren es oft die Menschen hinter den Ergebnissen, die diese Arbeit so besonders gemacht haben.
Ich weiß noch genau, wie nervös ich vor meinem ersten Interview mit Jörg Roßkopf am 19. März 2021 war. Oder wie schön es war, die Entwicklung junger Talente über Jahre hinweg zu begleiten. Annett Kaufmann beispielsweise habe ich bereits erlebt, als sie noch ein Kind war – und ich weiß noch, wie sie 2020 bei ihrer ersten Wahl zur Nachwuchsspielerin des Jahres fast vor Freude geweint hat. Auch Nachwuchsakteure wie Andre Bertelsmeier oder Wim Verdonschot, inzwischen in der Nationalmannschaft angekommen, lernte ich schon früh als junge Internatsbewohner kennen.
Besonders emotional war natürlich auch das Karriere-Ende von Timo Boll. Die Interviews mit ihm in den Mixed Zones dieser Welt und seine freundliche, authentische Art habe ich immer sehr genossen. Ebenso beeindruckend war die Reise nach Schweden zum myTischtennis-Partner STIGA, bei der wir hinter die Kulissen der Holzproduktion blicken konnten und die schwedischen Legenden Jan-Ove Waldner und Mikael Appelgren trafen.
Frank Elstner am Telefon – ein Hoch auf den Amateursport
Ohnehin waren es häufig die etwas anderen Themen, die meinen Job so abwechslungsreich gemacht haben – beispielsweise die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf den Tischtennissport, der Weg des Gehörlosenspielers Arda Yenen, die TTBL-Transfers von Fan Zhendong oder der Aufstieg und Fall des TTC Neu-Ulm.
Einen Blick über den Tellerrand gab es außerdem im E-Sport mit VR-Brille beim Finale der European Virtual Table Tennis Challenge in Düsseldorf. Dazu kamen Porträts und Serien über besondere Persönlichkeiten – etwa Fußball-Bundesligaschiedsrichter Patrick Ittrich, den einstigen RTL-Bachelor Dominik Stuckmann, Clickball-Pionier Alexander Flemming oder Fernsehlegende Frank Elstner, der am Telefon offen über seine Parkinson-Erkrankung sprach.
Doch nicht nur im Online-Bereich verfasste ich viele Berichte. Als Koordinator der Regionalteile gehörte die grafische Aufbereitung der Verbandsinhalte ebenso zu meinem Alltag wie Textanfertigungen für das Magazin tischtennis. Dazu kam die Mitarbeit am Material-Sonderheft elfneun oder die große Beilage zum Boll-Abschied. Mit verschiedenen Trainern stand ich regelmäßig in Kontakt, dazu gab es zahlreiche Videodrehs und DTTB-Medientage.
Ein großer Bestandteil meiner Zeit bei myTischtennis.de war außerdem der Amateurbereich. Knapp 70 Blogs sind in den vergangenen Jahren entstanden – oft inspiriert von meinem eigenen sportlichen Weg in Düsseldorf und meinem Heimatverein TuS Borth. Genau diese Nähe zur Basis habe ich immer geliebt. Der Sommer-Team-Cup gehörte ebenfalls fest dazu. 2022 schrieb ich aus Saarbrücken über das erste Bundesfinale, ebenso wie 2023 und 2024 über die von myTT mitorganisierte 1-Punkt-Weltmeisterschaft.
Tischtennis für immer!
Und wenn ich heute auf die Linksammlung aller meiner fast 2.700 Artikel schaue – eine 128-seitige Word-Liste voller Texte –, dann sagt das wahrscheinlich mehr als jede Statistik. Hinter vielen davon steckt eine emotionale Geschichte, eine Begegnung oder ein besonderer Moment. Vom ersten Artikel bis zu diesem letzten Blog war es eine Reise voller Erinnerungen, die man so schnell nicht vergessen wird. Auch wenn mein erstes Angestelltenverhältnis mit nun 30 Jahren endet und ich inzwischen wieder in meiner Heimat lebe, bin ich gespannt auf das, was kommt.
Als aktiver Tischtennisspieler bleibe ich dem Sport natürlich erhalten und bin auch bei der sechsten STC-Austragung wieder dabei. Danke für sechs Jahre und acht Monate. Macht’s gut – man sieht sich!
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