Blog: Limit erreicht - Topspieler senden Warnsignal

    Wang Chuqin und Sun Yingsha haben nicht nur die WTT Finals abgebrochen, sie fehlen auch beim ersten WTT Champions im Jahr 2026. Redakteurin Janina Schäbitz sieht deutliche Warnsignale.

    Wang Chuqin und Sun Yingsha gaben bei den WTT Finals beide verletzt auf (©ITTF)

    Habt ihr die Tage zwischen den Jahren genießen können? Eine kleine Auszeit vom normalen Trott, ein bisschen durchschnaufen, bevor der Alltag wieder beginnt? Für die besten Tischtennisspieler der Welt ist diese Zeit ebenfalls Gold wert. Im Dezember waren auf WTT-Ebene nur noch die Finals in Hongkong angesetzt, was zwar nicht bedeutet, dass es für die Topspieler nicht auch in nationalen oder kontinentalen Ligen noch Verpflichtungen gab, aber zumindest fiel die wichtige WTT-Komponente im Turnierkalender für ein paar Wochen weg. Und das kollektive Kräftesammeln war dringend nötig. Denn 2026 steht uns die bisher vollste WTT-Saison bevor.

    Nur noch Gas, keine Bremsen

    So läutete WTT zum Ende des Jahres eine neue Phase ein: Der WTT-Kalender 2026 sei der größte und ambitionierteste mit einer Rekordzahl an Events und höherer geographischer Reichweite. Der Kampf beginne im Januar mit dem WTT Champions Doha - „von da an wird nur aufs Gaspedal getreten, nicht auf die Bremse“, wie es bereits im August in einer Pressemitteilung hieß. Und die WTT-Verantwortlichen haben gehalten, was sie versprachen: 2026 werden vier Smashes, sechs Champions, sechs Star Contender, zehn Contender, 30 Feeder und die WTT Finals ausgerichtet. Insgesamt also 57 WTT-Turniere in 53 Kalenderwochen. Zusätzlich dazu fallen selbstverständlich noch die ITTF-Events - also WM, World Cup und Mixed Team World Cup - an. Und damit haben wir nur die Turniere auf internationaler Ebene erwähnt.

    Aus WTT-Sicht ist der Wunsch nach einer Erweiterung des Programms natürlich nachvollziehbar. Aber man sollte bei allen Expansionsfantasien nicht die Spieler aus dem Blick verlieren. Der Rückzug von Fan Zhendong, Ma Long und Chen Meng vor einem Jahr, der als Kritik an den WTT-Regeln rund um Teilnahmeverpflichtungen und Strafen bei Nicht-Teilnahme zu werten war und tatsächlich ein paar Anpassungen nach sich zog, war ein beeindruckendes Warnsignal. Ein weiteres war bei den WTT Finals in Hongkong im Dezember zu beobachten. Denn die beiden Weltranglistenersten der Damen und Herren, Wang Chuqin und Sun Yingsha, schenkten den wichtigsten WTT-Wettkampf des Jahres beide im Halbfinale ab und verzichteten damit auf mindestens doppelt so viel Preisgeld und Weltranglistenpunkte. Wang klagte über Rückenschmerzen, Sun über eine Verletzung am Knöchel. Wenige Wochen später im Finale der chinesischen Superliga sah man Wang dann wieder am Tisch, Sun stand ihrem Team hingegen nicht zur Verfügung. Den ersten WTT-Wettkampf des Jahres 2026, das Champions in Doha in dieser Woche, sagten beide ab.

    Limit ist erreicht

    Der chinesische Verband erklärte nach den WTT Finals in einer Stellungnahme auf seiner Webseite, dass man den Schutz der Gesundheit und die Vorbeugung von Verletzungen weiter verbessern möchte und im aktiven Austausch mit ITTF, WTT und anderen Stakeholdern stehe, um eine nachhaltige Wettbewerbsstruktur voranzutreiben. Als Reaktion war wenige Wochen später von einer Anpassung der Bedingungen bei den WTT Finals zu lesen, so dass man die Veranstaltung künftig über sechs statt fünf Tage ziehen und auf die Gruppenphase im Mixed-Wettbewerb verzichten werde. Blickt man voraus auf den Kalender 2026 mit seinen 57 Turnieren ist dies jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Wang Chuqin wurde im Rahmen des Superliga-Finals von chinesischen Medien zitiert: „Ich möchte eine Weile Pause machen, vom Tischtennis, vom Rampenlicht und von den Kameras Abstand gewinnen, eine Zeitlang ungestört leben und mir selbst erlauben, mich neu zu orientieren und frisch wieder zu starten. Ich hoffe, 2026 noch besser abzuschneiden.“ Die Pause sei ihm gegönnt, die körperlichen Beschwerden sollen auskuriert werden, doch lässt die synchrone Auszeit der beiden besten Spieler der Welt aufhorchen. Gerade die chinesischen Topstars muten wegen ihrer Übermacht manchmal wie Maschinen an. Aber irgendwann ist auch bei ihnen das Limit erreicht - körperlich wie mental. WTT und ITTF müssen das bei ihren Zukunftsplänen im Blick behalten und mit ihrem kostbarsten Gut, den Spielern, behutsam umgehen.

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