Mit vier Nägeln im Fuß zum Olympischen Fackelläufer
Betty Gray hat sich dem Tischtennis verschrieben (@Treboeth History Group)
Sie war 28 Jahre alt, als die Olympischen Spiele das letzte Mal nach Großbritannien kamen. Nun darf sie mit ihren 91 Jahren einen kleinen Teil des Olympischen Fackellaufs übernehmen, der nach alter Tradition vom griechischen Olympia bis zum Austragungsort der Spiele, also London, führt. Betty Gray ist eine Walisische Tischtennisberühmtheit. In der Vergangenheit machte sie sportlich von sich reden, nun steht sie als Präsidentin an der Spitze des Walisischen Tischtennisverbands. Sie vertrat Wales bei neun Weltmeisterschaften, zum ersten Mal 1948 in Wembley, zum letzten Mal 1997 in Birmingham. In dieser Zeit hat Gray unzählige Medaillen, Titel und Auszeichnungen gewonnen - und über 250 Pokale. "Danach habe ich aufgehört zu zählen", verrät Gray. "Sie sind wirklich schön, aber die Hölle zum Saubermachen."
Weltmeisterin trotz 'Blutbad'
Zehn Einzeltitel bei Walisischen Meisterschaften? Das kann sonst niemand vorweisen. Und auch im Alter hörte die Flut an Titeln nicht auf: Bei der Senioren-WM in Vancouver 2000 wurde sie Weltmeisterin, in Bremen 2006 gewann sie den Doppeltitel der über 85-Jährigen, ein Jahr später auch bei der EM in Rotterdam. Eine ansehnliche Leistung, zumal Betty Gray mit Arthritis in den Händen kämpfen muss und vier Nägel in einem Knöchel hat. Trotzdem hat sie während ihrer Karriere nie mehr als ein paar Wochen am Stück pausiert. Dass sie hart im Nehmen ist, zeigte sie zum Beispiel auch bei der WM in Vancouver. Hier riss sie sich die Knöchel auf, verband sie selbst und spielte fröhlich weiter. Doch während des Endspiels ging die Wunde wieder auf. "Es störte mich nicht und ich war besonders bemüht zu gewinnen, weil wir nur zwei Waliser waren", erinnert sich Gray. "Aber da war überall Blut - auf dem Tisch, auf dem Boden - und am Ende schritt der Schiedsrichter ein. Jemand wischte mich ab, klebte mir ein Pflaster auf die Wunde, ich spielte weiter und gewann."
Aber auch ohne solch ein 'Blutbad' zu veranstalten, stand Betty Gray am Ende oft oben auf dem Treppchen. Die Waliserin wusste ganz genau, was ihr hilft und was nicht. "Ich konnte nie vom Tisch weggehen, um mit dem Trainer zu sprechen, weil ich wusste, dass ich meine Konzentration verlieren würde", erzählt Gray. "Also pflegte ich zu sagen: 'Möchtest du, dass ich vom Tisch weggehe oder möchtest du, dass ich gewinne?' - Meistens ließen sie mich alleine."
Tischtennis statt Stricken und Lesen
Ihre ersten Versuche mit dem Tischtennisschläger machte Gray 1939, kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, im Club der Jungen Konservativen. "Ich ging dort vor dem 2. Weltkrieg regelmäßig vorbei, um zu stricken und zu lesen. Und dort spielten immer zwei Jungen Tischtennis", erinnert sich Gray. "Eines Tages waren sie es leid, gegeneinander zu spielen und fragten mich, ob ich Lust auf ein Spiel habe. Es hat nicht lange gedauert, bis ich sie geschlagen habe!" Und bis sie sich an die Walisische Spitze spielte. "Der Sport hat mir seitdem eine Menge Gelegenheiten geboten, um die Welt zu reisen, fantastische Menschen zu treffen und einige wunderbare Erfahrungen zu machen."
Ihre schwindende Sehkraft zwang sie vor ein paar Jahren, das Tischtennis Spielen aufzugeben. Als Präsidentin des Walisischen Tischtennis-Verbands und als Trainerin ist Betty Gray aber immer noch aktiv mit ihrem Sport verbunden. Als Highlight ihrer langen Karriere gehört sie nun zu den Auserwählten des Olympische Fackellaufs. "Die Olympische Fackel zu tragen ist eine weitere große Ehre", sagt die Waliserin, "und ich werde alle Ereignisse in London im Sommer mitverfolgen. Ich liebe jeden Sport, aber ich schenke dem Tennis und Tischtennis besondere Aufmerksamkeit."
(JS/Treboeth History Group/NewWales)














