Buntes

Härter oder weicher? Jetzt gibt's Fakten zum Plastikball

Der Zelluloidball wird ab Juli 2014 vom Plastikball abgelöst werden (©Roscher)

30.04.2013 - Ab Juli 2014 wird er das neue Spielgerät sein: der Plastikball. Ähnlich allen anderen Regeländerungen, an die sich Tischtennisspieler im Laufe der Jahre gewöhnen mussten, wurde auch über die Einführung des Plastikballs bisher viel diskutiert und vor allem – spekuliert. Die ITTF hat nun die erste wissenschaftliche Studie zu den Eigenschaften des Plastikballs veröffentlicht. Durchgeführt haben sie die Deutschen Konrad Tiefenbacher und Dirk Meyer.

Es war im März 2012. In Dortmund fand gerade die Team-WM statt, Deutschland kämpfte um den Titel im eigenen Land. Da verkündete die ITTF endgültig eine Neuerung, die sich schon im Jahr zuvor durch einen ähnlichen Beschluss angebahnt hatte: das Aus für den Zelluloidball – immerhin seit 1891 offizielles Spielgerät im Tischtennis – und stattdessen die Einführung des Plastikballs ab Juli 2014. Als Hintergrund wurde von ITTF-Seite genannt, dass Zelluloid in vielen Ländern bereits verboten sei bzw. in naher Zukunft verboten sein werde. Der Herstellungsprozess birge zu große gesundheitliche Gefahren für die Produktionshelfer. 

Plastikball größer aber trotzdem leichter als sein Vorgänger
Der Plastikball wird mit exakt 40 statt 39,8mm größer aber trotzdem leichter als sein Vorgänger sein und aus einem Ganzen statt aus zwei Hälften bestehen. Seine geplante Einführung spaltet die Tischtennis-Gemeinde in zwei Lager: Die einen vermuten durch den neuen Ball eine Abnahme des Spins. Schließlich hatte man diese Erfahrung bereits in den 80er Jahren gemacht, als die ersten Versuche mit einem Plastikball scheiterten  weil dieser nach einiger Zeit zu "glatt" gespielt war und keine Rotation mehr annahm. Andere befürworten einen Ball aus neuem Material, sie bemängeln die Haltbarkeit des Zelluloidballs. Eine Vermutung über die Flugeigenschaften des neuen Balls folgt der nächsten. Mit positiven wie negativen Vorurteilen könnte nun, zumindest in Ansätzen, Schluss sein. 

Die ESN GmbH, mit Sitz im unterfränkischen Hofheim und im Alltag für die Produktion von Belägen zuständig, hat im Auftrag der ITTF die erste wissenschaftliche Studie zum Plastikball durchgeführt – unter der Leitung der beiden Deutschen Dr. Dirk Meyer und Konrad Tiefenbacher. In spieltypischen Situationen, wie z.B. Topspin auf Schupfball oder als Gegentopspin, versuchten sich testerfahrene Spieler mit dem neuen Plastikball. Sie sollten anschließend ihre Erfahrungen wiedergeben. Für die wissenschaftliche Messbasis wurden u.a. Laserstrahlen eingesetzt, auf mathematischer Ebene zog man Geschwindigkeitsvektoren zur Berechnung heran. 

Spieler geben subjektive Erfahrungen wieder
Nach einigen Spielübungen mit unterschiedlichen Belägen kamen die Probanden zu folgendem Ergebnis: Zunächst sei der Klang des Plastikballes auffällig  er höre sich wie ein kaputter Zelluloidball an. Der Plastikball fühle sich etwas langsamer an, erreiche nicht die absolute Geschwindigkeit eines Zelluloidballs.

Tatsächlich werde mit dem Plastikball etwas weniger Spin erzeugt. Dadurch und weil er höher vom Tisch abspringe, seien z.B. gefährliche Aufschläge leichter zu returnieren. Grundsätzlich sei die Kontrolle –  auch aufgrund des gefühlt höheren Härtegrads  größer als beim Zelluloidball. Insgesamt seien die Unterschiede zum Zelluloidball aber eher gering. Nach Einschätzung der Spieler könnten möglicherweise die Abwehrspieler einen leichten Vorteil durch den neuen Ball bekommen.

Zwei Monate Forschungsphase
Einer der führenden Köpfe der Studie war Konrad Tiefenbacher, der sich inzwischen seit 20 Jahren auf wissenschaftlicher Basis mit Tischtennis auseinandersetzt. Zur Aussage der Testspieler, der neue Ball sei härter, sagt er: "Der Plastikball ist größer und kommt dem Spieler härter vor. Maschinell getestet ist er aber weicher. Härtegrad und Dynamik sind zwei verschiedene Welten. Dass ein Ball weich ist, sagt nichts über das Abspringen aus."  

Zwei Monate wurde insgesamt am Plastikball geforscht, beginnend im September des letzten Jahres. "Die Studie liefert noch kein komplettes Bild, ist eher als Momentaufnahme und Initialstudie zu betrachten", resümiert Tiefenbacher und entkräftet ein wenig deren wissenschaftliche Bedeutung. Dass sie uns einen ersten Eindruck vermittelt, auf was wir uns ab Juli 2014 einstellen können, sollte aber unumstritten sein. 

Zum Plastikball-Test des australischen Nationalspielers William Henzell!

(DK)

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