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TTR-Wert und Turnier-Teilnehmerzahlen – ein Zusammenhang?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einführung des TTR-Werts und den Teilnehmerzahlen der Turniere? (©TTC Grün-Weiß Hattorf)

09.01.2017 - Besteht ein Zusammenhang zwischen der Einführung des TTR-Werts im Jahr 2010 und den Teilnehmerzahlen der Turniere in den letzten Jahren? Andere Internet-Portale hatten sich in der Vergangenheit mit dieser Frage beschäftigt, als ‚Schaufenster’ des TTR-Werts wollten wir der Sache auch selbst auf den Grund gehen. Was beim Durchforsten von vorhandenen Statistiken, den Gesprächen mit Turnierveranstaltern, Spielern und dem Leiter des für die TTR-Berechnung verantwortlichen DTTB-Ressorts Rangliste herausgekommen ist, können Sie hier nachlesen!

Eine von vier Statistiken, die uns auf Anfrage an alle click-TT-Verbände erreichte, war die des Landesverbands Baden. Der Badische Tischtennis-Verband (BaTTV) gehört click-TT seit Beginn an, der erste Q-TTR-Wert wurde hier also wie in neun anderen Landesverbänden im Dezember 2010 berechnet. Buch wurde über die Teilnehmer an Bezirksmeisterschaften – Bezirke sind die kleinste Einheit in diesem Verband – ab dem Jahr 2010 geführt, mit der Erkenntnis: Die von allen Bezirken erstellte Übersicht weist ähnliche Teilnehmerzahlen im Jahr 2010 im Vergleich zu 2016 auf. 1830 Spielerinnen und Spieler nahmen im Jahr 2010 kurz vor der Einführung des TTR-Werts – und definitiv bevor dieser eine Relevanz für die Mannschaftsaufstellungen besaß – an den Bezirksmeisterschaften teil. 2016 waren es 1767, die Abnahme liegt hier bei 3,4 %. Auffällig im Verband Baden ist jedoch der Aufschwung kurz nach der Einführung des TTR-Werts: Im Jahr 2011 spielten 2605 Spieler und ein Jahr später sogar 2626 Spieler bei den Bezirksmeisterschaften in Baden mit – was einer Steigerung von 43 % gleichkommt. Die geringsten Teilnehmerzahlen (1649) hatten die Bezirksmeisterschaften dann jedoch im Jahr 2013 zu verzeichnen. Nicht nur über die Teilnahme an Bezirksmeisterschaften, auch über die Mannschaftsmeldungen wurde im gleichen Zeitraum Buch geführt. Dabei lässt sich feststellen: Um 16 % weniger Mannschaften wurden zur Saison 2016/2017 im Vergleich zur Saison 2010/2011 gemeldet, die Zahl der aktiven Spieler wird in diesem Verband in diesem Zeitraum insgesamt also abgenommen haben – aber nicht nur in Baden. Insgesamt schrumpfte die Zahl der in Deutschland gemeldeten Tischtennisspieler laut DOSB-Statistik zwischen 2010 und 2016 um ca. 9 % von rund 614.000 auf rund 560.000.

Rückgang im Kreis Ostsaar im Saarland lange vor der TTR-Einführung
Im zu click-TT neu hinzugekommenen Saarländischen Tischtennisbund (STTB), in dem die meisten Spieler erst seit diesem Jahr in der JOOLA-Rangliste erscheinen, wurden Statistiken für den Kreis Ostsaar erhoben. Erfasst wurden die Teilnehmerzahlen der Kreismeisterschaften seit dem Jahr 2006 und die der Kreisrangliste seit dem Jahr 2009. Mit dem Ergebnis: Gerade bei den Kreismeisterschaften ist ein massiver Rückgang bei den Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Dieser nahm seinen Lauf allerdings bereits lange, bevor der TTR-Wert überhaupt ‚erfunden’ war. 2006 mischten in allen Konkurrenzen noch 107 Spieler bei den Kreismeisterschaften im Kreis Ostsaar mit. Bis zum Jahr 2015 – also ein Jahr, bevor alle saarländischen Spieler einen TTR-Wert erhielten – sank die Teilnehmerzahl konstant um fast 75 % auf nur noch 27 Spieler. Leicht nach oben ging es nur noch einmal – im Jahr 2013, als 88 Spieler an den Start gingen. 2016 konnten bei den Kreismeisterschaften sogar nur noch 17 Teilnehmer verzeichnet werden. Nicht so stark betroffen war das Kreisranglistenturnier, doch auch dabei schrumpfte die Teilnehmerzahl fast um die Hälfte – und das lange vor der Eingliederung des Saarländischen Tischtennisbundes in click-TT. Waren es 2009 noch 43 Spieler gewesen, die an diesem zweimal im Jahr ausgetragenen Turnier teilnahmen, waren es 2015 und 2016 nur noch 23. Genau wie im Badischen Tischtennisverband lässt sich im Kreis Ostsaar des Saarländischen Tischtennisbundes wohl also kein Zusammenhang zwischen der Einführung des TTR-Werts und der Teilnehmerzahl von Bezirks- bzw. Kreismeisterschaften feststellen.

Zusammenhang im Kreis Essen möglich
Diese Verbindung lässt sich womöglich aus der Statistik des Kreises Essen deuten. Während 2010 noch 228 Spieler bei den Kreismeisterschaften in Essen vertreten waren, sank diese Zahl bis 2016 auf 143, also um 35 %. Lediglich im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 blieb die Teilnehmerzahl konstant. Rund 54 % weniger Spieler in verschiedenen Konkurrenzen im Vergleich zum Jahr 2010 nahmen im Jahr 2016 an den Stadtmeisterschaften in Essen teil: Waren es 2010 noch 570, waren es 2016 nur noch 265.

Günter Schadinat, Sportwart des Tischtenniskreises Essen, erklärt jedoch: "Ich glaube nicht, dass die Einführung der TTR-Werte in Zusammenhang mit der rückläufigen Teilnehmerzahl steht. Das gilt vielleicht nur für einen kleinen Kreis von Spielern. Ich selbst habe davon jedenfalls nichts gehört. Ich halte es eher für wahrscheinlich, dass die geringeren Teilnehmerzahlen auf die Belastungen in Beruf,  Schule, Familie sowie anderen Aktivitäten zurückzuführen sind. Da bleibt keine freie Zeit für weitere Wettbewerbe neben der Meisterschafts- bzw. Pokalsaison."

Und wie sah es in Essen in den Jahrzehnten davor aus? Mit Ausnahme des ersten Jahrzehnts in diesem Jahrtausend gingen die Teilnehmerzahlen sowohl bei den Kreis- als auch bei den Stadtmeisterschaften über die Jahrzehnte immer mehr zurück. Ende der 70er-Jahre lagen sie zum Teil bei beiden Turnieren noch im vierstelligen Bereich, ab Mitte bzw. Ende der 90er-Jahre folgte ein massiver Einbruch.

Waldeck-Frankenberg: Startgeld auf Vereine umgelegt
Im Hessischen Tischtennis-Verband (HTTV) fand eine Erhebung der Erwachsenen-Teilnehmerzahlen von Kreismeisterschaften der verschiedenen Kreise der Jahre 2011 bis 2015 statt. Ob die Teilnehmerzahlen mit Beginn der TTR-Berechnung, also vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 anstiegen oder fielen, lässt sich demnach anhand der Statistik nicht feststellen. Zumindest im Zeitraum 2011 bis 2015 sanken die Teilnehmerzahlen in 14 von 23 Kreisen jedoch. Auf eine myTischtennis-Anfrage an die beiden am stärksten betroffenen Kreise meldete sich Karl Friedrich Meyerhöfer, der Kreiswart des Kreises Waldeck-Frankenberg, der das Geschehen dort seit rund 40 Jahren verfolgt. Um fast die Hälfte (von 101 auf 52) schrumpfte in diesem Kreis die Anzahl der Kreismeisterschafts-Teilnehmer im Erwachsenen-Bereich vom Jahr 2014 zum Jahr 2015. Eine Verbindung zum TTR-Wert sieht Meyerhöfer selbst nicht. Dass Waldeck-Frankenberg flächenmäßig der größte Kreis in Hessen ist, sei seiner Meinung nach eher ausschlaggebend. So müssten Spieler im schlechtesten Fall bis zu 100 Kilometer fahren, je nach dem, wo das Turnier stattfinde.

In diesem Jahr konnte man plötzlich auf einmal jedoch wieder 140 Teilnehmer in allen Konkurrenzen – den Jugendbereich eingeschlossen – bei den Kreismeisterschaften begrüßen. Mögliche Gründe dafür? Meyerhöfer erklärt: „Wir haben die Startgelder für die Teilnehmer auf die Vereine umgelegt. 14,50 Euro musste jeder Verein entrichten, dafür durften unbegrenzt viele Spieler von jedem Verein an den Kreismeisterschaften teilnehmen." Die Wartezeit bei einer Kapazität von 16 Tischen sei inzwischen nicht mehr groß. Im Gegenzug hätten sich die Teilnehmer zuletzt längere Wartezeiten gewünscht, um längere Pausen zu haben. Von TTR-Untergrenzen oder einer größeren Aufteilung der Teilnehmerklassen hält Meyerhöfer indes nicht viel: „Wir haben mit einer D1- und D2-Klasse Erfahrungen gemacht und keinen Erfolg feststellen können.“

Noch weitere Faktoren, die entscheidend sein könnten
Und wie sieht es mit den offenen Turnieren aus? Zum nun bereits 40. Mal richtet der TTC Grün-Weiß Hattorf in Niedersachsen im Januar 2017 sein traditionelles Neu-Jahr-Turnier aus. Sportwart Karsten Kühne erklärt, dass definitiv ein Rückgang der Teilnehmerzahlen über die Jahre zu verzeichnen ist. „Ob das mit dem TTR-Wert zusammenhängt, ist die Frage. Bei Jugendlichen und Kindern dürfte der TTR-Wert geholfen haben, die Teilnehmerzahlen zu steigern. Auch wenn in dieser Gruppe – genau wie bei den Damen, die nun aber auch in gemischten Klassen aufschlagen – in der Vergangenheit weniger Spieler teilgenommen haben“, so Kühne. Er habe durch die Existenz des TTR-Werts eher erlebt, dass die Leute in anderen Turnierklassen als früher spielten, nämlich in höheren, um TTR-Punkte gewinnen zu können. Insgesamt gebe es mehr Turnierklassen. Von TTR-Untergrenzen halte man im Verein aber dennoch nichts. „Da hatten wir Bedenken, Leute zu verlieren.“ Insgesamt habe Kühne unterschiedliche Begründungen von Teilnehmern mitbekommen, warum der ein oder andere Mannschaftskamerad, der im letzten Jahr vielleicht noch beim Turnier dabei war, in diesem Jahr auf eine Teilnahme in Hattorf verzichtet habe. „Da fällt mal der Satz, dass die Wartezeit zwischen den Spielen zu groß sei. Aber auch, dass Leute ungerne TTR-Punkte verlieren würden.“ Im Übrigen sei die Wartezeit in Hattorf mit rund einer Dreiviertelstunde im Vergleich zu früher geringer. Auch für das Einspielen stelle man vor Beginn einer Konkurrenz stets vier gesonderte Tische zur Verfügung. 

Seite 2: Meinungen von Spielern und Rückmeldung des Ressorts Rangliste zu Planspielen im Bezug auf Turniere

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