Pro vs. Contra

Pro vs. Contra: Rückkehr des Doppels in die TTBL?

Wie sinnvoll ist die TTBL-Reform? (©ITTF)

30.12.2016 - Für viele war es eine positive Neuigkeit, die kurz vor Weihnachten die Runde machte. Die TTBL hat sich dazu entschlossen, ab der Saison 2018/19 wieder Doppel zu spielen. Damit wird die Kluft zwischen der ersten Liga und der Basis ein bisschen kleiner werden. Geht diese Reform aber weit genug? Oder hätte man sie sich in dieser Form auch gleich sparen können? Darüber sind sich Lennart Wehking und Jan Lüke mal wieder nicht ganz einig.

PRO:

Was für eine großartige Nachricht ploppte da kurz vor Weihnachten auf meinem Handybildschirm auf: Das Doppel kehrt in die höchste deutsche Spielklasse zurück. Mein erster Gedanke: endlich! Denn das Doppel gehört für mich zum Tischtennis wie das Mannschaftszeitfahren zur Tour de France. Es steht für Raffinesse, für Undurchschaubarkeit, für Extravaganz – und für: Teamwork.   

Meine durchweg positive Bewertung der Neuausrichtung liegt sicherlich daran, dass ich für dieses Element ein ganz persönliches Faible habe und einige meiner emotionalsten und auch erfolgreichsten Momente am Tisch Seite an Seite erleben durfte. Aber es hat auch andere Gründe, warum ich diese Veränderung am Spielsystem in Europas bester Liga begrüße. Endlich rückt die Profiliga wieder näher an die Basis heran – das Fehlen des Doppels hatte in der Vergangenheit vielfach dazu geführt, dass etliche der tischtennisspielenden Mannschaftssportliebhaber kaum noch Bezug zur Beletage ihres Sports herstellen konnten. Denn das Doppel ist ein wichtiger Gegenstand, wenn es um den Teamgedanken geht. Und ganz nebenbei häufig ausschlaggebend bei der Frage über Sieg oder Niederlage – in fast allen Spielsystemen, die gespielt werden oder wurden. 

Das Doppel wird laut Mini-Reform beim Stand von 2:2 ausgetragen, also als fünfte, als entscheidende Partie. Diese Platzierung bringt in meinen Augen Vor- und leider auch Nachteile mit sich. Kommt es nämlich zum Doppel, hat dieses sofort einen herausstechenden Finalcharakter und belohnt die Equipe, die auf das Doppel gesetzt hat. Auf der anderen Seite muss natürlich gefragt werden dürfen: Wie oft kommt es überhaupt zum Doppel? Und: Wäre die Ansetzung zu Beginn eines jeden Mannschaftsvergleichs nicht konsequenter gewesen, um dem Doppel einen echten Neustart zu gönnen? 

So oder so: Ich freue mich erst einmal, dass das Vier-gegen-Vier wieder auf der TTBL-Bildfläche auftaucht. Endlich auch bei der Düsseldorfer Borussia, den jungen Wilden aus Ochsenhausen oder den Abwehrzauberern aus Fulda wieder die Fragen nach der stärksten Kombination: links-rechts, rechts-rechts oder gar links-links? Außerdem spannend: Welcher Spieler ist für die beiden Einzel gesetzt, wer findet sich beim finalen Clinch á quatre zurecht, behält die Lockerheit und kann Akzente setzen? Einen Doppelexperten braucht man zukünftig in den eigenen Reihen, will man am Ende eines langen Schlagabtauschs nicht komplett blanko dastehen. Die taktisch anspruchsvolle Variante bringt eine neue Facette in das Bundesligaprogramm und vielleicht ja auch den ein oder anderen Tischtennis-Fan aus den ‚eigenen‘ Reihen zurück in die leider oftmals spärlich gefüllten Hallen der TTBL-Clubs.  

Gewissermaßen hatte sich das nationale Comeback des Doppels ja international schon angekündigt.  Spätestens seit dem öffentlich arg hallenden Ruf von Nationaltrainer Roßkopf, der seine berechtigten Sorgen über die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Doppeln artikulierte. Die Disziplin hatte sich im zugegeben prallen Kalender der deutschen Elite seit Jahren vollständig verabschiedet. Jetzt ist das Doppel in der TTBL zurück, das ist ein richtiger Schritt. Ein richtiger Schritt, um die mit internationalen Stars gespickte und so voller Potential steckende Liga eins wieder stärker mit der Basis zu verknüpfen. Ich hätte da übrigens noch eine Idee für die Zukunft: Wie wäre es mit zwei Doppeln zu Beginn eines jeden Ligaspiels? Ach, was wäre das für ein fulminanter Auftakt!

(Lennart Wehking)

CONTRA:

Das Doppel ist wieder da! Ab der Saison 2018/2019 bekommt die TTBL die Disziplin zurück, die in Deutschlands Eliteliga über Jahrzehnte fest zum Programm gehörte und sie entscheidend mitprägte. 2011 wurde das Doppel im Zuge einer Novellierung des Spielsystems aus der DTTL, wie die erste Bundesliga damals noch hieß, verbannt. Bald der Schritt zurück nach vorn: Die Mitgliederversammlung fasste den dazugehörigen Beschluss, der auf Wunsch der Vereinsvertreter wiederum erst in knapp zwei Jahren wirksam wird.

Das, was einmal mehr nach Reform anmutet, ist zwar eine Veränderung, mitnichten aber eine Verbesserung. Denn wirklich effektiv erreicht die Liga mit diesem Beschluss meiner Meinung nach nicht, was sie wohl eigentlich erreichen wollte – und auch nicht, was Liga und Tischtennissport in Deutschland tatsächlich dringend gebrauchen könnten: eine elementare Aufwertung des Doppels. Man hätte genauso gut alles beim Alten lassen sollen.

Dem Vernehmen nach war es vor allem der DTTB, federführend Bundestrainer Roßkopf und Sportdirektor Prause, der auf eine Wiederaufnahme des Doppels ins Bundesliga-System gedrängt hat. Seine Intention ist durchaus sinnhaft: Dem Doppel kommt im olympischen Mannschaftswettbewerb eine immense Bedeutung zu. Der Kampf um olympische Medaillen, den Deutschland gerade in Zukunft wohl eher in der Mannschaft als im Einzel wird gewinnen können, ist derweil von nicht zu bemessener Bedeutung für eine Randsportart wie Tischtennis. Auf dieses Ziel hin vieles oder gar alles in den Leistungssportstrukturen auszurichten, ist berechtigt. Den Auftritten des deutschen Doppels aus Timo Boll und Bastian Steger bei den Spielen in Rio de Janeiro jedenfalls sah man an, dass die beiden Deutschen trotz grundsätzlich ordentlicher Form wenig Zutrauen in ihr Doppelspiel hatten. Ein paar Trainingseinheiten mit Blick auf Olympia reichen da nicht aus. Obendrein ist die Überlegung auch aus Sicht der Basis richtig: Denn in Tischtennisdeutschland spielt kein Aktiver seine Mannschaftswettkämpfe ohne Doppel – abgesehen von der TTBL. 

So weit, so gut. Was Vereine, Liga und Verband nun aus dem hehren Gedanken der Wiedereinführung des Doppels gemacht haben, ist eher eine Mitthochtief-Lösung: Das Doppel wird als mögliches fünftes und entscheidendes Spiel sein Comeback in der TTBL geben. Das ist gleich aus mehreren Perspektiven kritisch zu sehen:

a) Das Doppel kehrt zwar theoretisch in die Liga zurück, praktisch allerdings äußerst selten: In der letzten regulären Saison gingen 25 von 90 Partien über die volle Distanz, in der diesjährigen Hinrunde acht von 25. Im Schnitt hätte in weniger als jeder dritten TTBL-Partie ein Doppel stattgefunden. Wesentlich erhöhen wird sich diese Quote auch dann nicht, wenn Klubs ihre Aufstellung mit der Intention wählen, das Doppel als finales sudden death zu erreichen.

b) Womit wir bei den Aufstellungen wären: Der als Position eins aufgebotene Spieler wird im neuen System kein Doppel spielen, sondern vorab zwei Einzel bestreiten. Verfügt eine Mannschaft über einen herausragenden Einzelspieler, wird der demzufolge ziemlich selten ein Doppel bestreiten. Erst recht, um das Risiko zu minimieren, dass er nur eine Partie bestreiten könnte. Das Doppel liegt schließlich hinter dem Spitzeneinzel. Viele Spieler der Liga, im Zweifel ihre besten, wird man auch weiterhin nie im Doppel sehen.

c) Und letztlich: Schon heuer muss man sich regelmäßig und näher mit der Materie beschäftigen, um überhaupt zu wissen, in welchem Wettbewerb mit welchem System gespielt wird. Kleiner Selbstversuch: Wie sehen sie denn aus, die Systeme in der Regionalliga, der 2. Bundesliga, der Champions League, der Mannschafts-EM, der Mannschafts-WM und bei Olympia. Warum nun ein weiteres System eingeführt wird, will sich mir da so recht nicht erschließen. Denn wenn man das Spielsystem ohnehin am olympischen Peking-System ausrichtet: Warum spielt man es nicht einfach?

Das neue Spielsystem in der TTBL bleibt ein wenig wagemutiger Kompromiss, mit dem sich die Liga das Label „Doppel“ zukünftig wieder anheften kann. Viel mehr allerdings auch nicht. Ich finde: Da hätte man gleich alles beim Alten lassen können.

(Jan Lüke)

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